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23 Jul 2026

Zwölfte Angriffsnacht gegen den Iran: Israel zwischen Eskalation und Ungewissheit

Die amerikanischen Angriffe auf den Iran gehen weiter. In der Nacht zum Donnerstag bombardierten die USA nach Angaben des US-Zentralkommandos zum zwölften Mal in Folge Ziele im Land. Der Einsatz schwerer Langstreckenbomber deutet darauf hin, dass Washington die Intensität seiner Operationen weiter erhöht.

Für Israel entsteht daraus eine schwierige Situation. Die israelische Armee befindet sich in höchster Alarmbereitschaft, während unklar bleibt, welche nächsten Schritte US-Präsident Donald Trump plant und ob Israel erneut direkt in die Kämpfe hineingezogen werden könnte.

B-1B-Bomber erstmals in der aktuellen Angriffswelle eingesetzt

Nach übereinstimmenden amerikanischen und israelischen Medienberichten kamen bei den jüngsten Angriffen B-1B-Lancer-Langstreckenbomber zum Einsatz. Mindestens eine der Maschinen soll von einem britischen Luftwaffenstützpunkt aus gestartet und anschließend tief in den iranischen Luftraum eingedrungen sein.

Welche konkreten Ziele getroffen wurden, war zunächst nicht bekannt. In der ersten öffentlichen Zusammenfassung des US-Zentralkommandos wurde der Einsatz der Bomber nicht ausdrücklich erwähnt. Später bestätigte CENTCOM jedoch, dass B-1-Maschinen iranische Einrichtungen angegriffen hätten, die mit den ballistischen Raketenfähigkeiten des Landes in Verbindung stehen.

Der Einsatz dieses Flugzeugtyps ist militärisch bedeutsam. Die überschallschnelle B-1B kann nach Angaben der US-Luftwaffe eine konventionelle Waffenlast von bis zu rund 34 Tonnen transportieren. Dazu gehören Präzisionsbomben und weitreichende Marschflugkörper. Ein einzelner Bomber kann dadurch in einer Mission mehrere weit voneinander entfernte Ziele angreifen.

Anders als der Tarnkappenbomber B-2 kann die B-1B allerdings nicht die besonders schwere GBU-57 (bunkerbrechend) tragen. Ihr Einsatz spricht daher nicht automatisch dafür, dass tief unterirdische iranische Atomanlagen angegriffen wurden. Er zeigt aber, dass die USA für ihre Kampagne zunehmend schwerere und reichweitenstärkere Systeme einsetzen.

Immer mehr Ziele entlang der Küste und im Landesinneren

Die amerikanischen Angriffe richteten sich in den vergangenen Nächten unter anderem gegen iranische Raketen- und Drohnenlager, Luftverteidigungsanlagen, Küstenradare, maritime Einrichtungen und militärisch genutzte Flughäfen. Auch Schiffe und Fahrzeuge wurden getroffen.

Iranische Medien berichteten außerdem von einem Angriff auf den Grenzübergang Schalamtscheh zwischen dem Iran und dem Irak. Dort soll ein Bereitstellungsraum iranischer Grenztruppen getroffen worden sein. Weitere Explosionen wurden aus der Umgebung von Andimeschk gemeldet.

Die Zielauswahl deutet darauf hin, dass es den USA nicht mehr nur um einzelne iranische Raketenstellungen geht. Washington versucht, die Fähigkeit des Iran zu schwächen, den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus zu überwachen und anzugreifen. Gleichzeitig geraten zunehmend militärische Anlagen im Landesinneren ins Visier.

Der Iran setzt seine Gegenschläge fort

Der Iran antwortet mit Raketen- und Drohnenangriffen auf amerikanische Stützpunkte und Einrichtungen in der Region. Betroffen waren in den vergangenen Tagen unter anderem Jordanien, Kuwait und weitere Golfstaaten. Bei einem iranischen Angriff wurde auch eine wichtige Energie- und Meerwasserentsalzungsanlage in Kuwait beschädigt.

Besondere Aufmerksamkeit erregt die Präzision einiger iranischer Angriffe. Westliche Geheimdienstkreise untersuchen deshalb, ob Russland dem Iran technische Hilfe oder Informationen zur Zielauswahl geliefert haben könnte.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters gibt es Hinweise darauf, dass Russland Navigationssysteme oder Zieldaten zur Verfügung gestellt haben könnte. Eine direkte Beteiligung Moskaus ist allerdings nicht abschließend bewiesen. Für eine vergleichbare operative Unterstützung durch China liegen bislang keine öffentlich bestätigten Belege vor.

Israel kennt Washingtons nächste Schritte nicht

Für Israel ist die gegenwärtige Lage besonders kompliziert. Zwar kämpfen die USA gegen einen gemeinsamen Gegner, doch die politischen und militärischen Ziele Washingtons und Jerusalems sind nicht in allen Punkten identisch.

Israelische Medien berichten, der Austausch mit Washington über das weitere Vorgehen sei derzeit weniger intensiv als während früherer gemeinsamer Operationen. Analysten und Militärexperten beschreiben die Situation teils so, dass Israel bei den nächsten amerikanischen Schritten „im Dunkeln“ tappe.

Hinzu kommt: Der Kreis der Personen, die innerhalb der Trump-Regierung an wichtigen Entscheidungen über den Iran beteiligt sind, sei nach israelischen Berichten kleiner geworden. Damit wird es auch für enge Verbündete schwieriger, amerikanische Entscheidungen vorherzusehen.

Schon in der Vergangenheit zeigte sich, dass Israel und die USA unterschiedliche Prioritäten verfolgen können. Während Washington vor allem iranische Raketenstellungen, Marineeinheiten und Einrichtungen rund um die Straße von Hormus schwächen will, betrachtet Israel zusätzlich das iranische Atomprogramm, die Raketenproduktion und die langfristige Bedrohung durch das Regime als zentrale Fragen.

Israelische Luftwaffe in höchster Alarmbereitschaft

Wegen dieser Unsicherheit hat die israelische Armee ihre Bereitschaft in den vergangenen Tagen auf das höchste Niveau angehoben. Nach israelischen Berichten bereiten sich besonders die Luftwaffe und der Militärgeheimdienst auf unterschiedliche Szenarien vor.

Israel muss damit rechnen, dass der Iran einen amerikanischen Angriff zum Anlass nimmt, erneut israelische Ziele anzugreifen. Ebenso besteht die Möglichkeit, dass Washington Israel um eine Beteiligung an weiteren Operationen bittet oder dass Israel eigenständig zu dem Schluss kommt, militärisch handeln zu müssen.

Die hohe Einsatzbereitschaft verursacht erhebliche Kosten. Flugzeuge, Luftverteidigungssysteme, Geheimdienste und Rettungsdienste müssen über längere Zeit in Bereitschaft gehalten werden. Gleichzeitig wächst die Anspannung in der Bevölkerung.

Seit Tagen bestimmen Warnungen vor einer möglichen Eskalation die israelischen Nachrichtensendungen, Zeitungen und sozialen Netzwerke. Viele Menschen fragen sich nicht mehr nur, ob es erneut zu direkten Kämpfen mit dem Iran kommen könnte, sondern vor allem wann und mit welcher Intensität.

Von der politischen Führung sind nur wenige öffentliche Erklärungen zu hören. Die Zurückhaltung dürfte auch damit zusammenhängen, dass niemand den Eindruck erwecken möchte, Israel bereite unmittelbar einen Angriff vor.

Für die Menschen im Land bleibt damit vor allem die Ungewissheit. Wir selbst leben nicht in Angst und wissen, in wessen Hand wir sind, dennoch ist die Anspannung im Land spürbar. Seit Wochen heißt es immer wieder, die kommenden Tage könnten entscheidend werden. Wann diese Phase endet, weiß im Augenblick niemand, weder in Jerusalem noch in Washington.

Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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