Wie Trumps Iran-Strategie in 48 Stunden kollabierte – und was das für den Nahen Osten bedeutet
Die letzten 48 Stunden haben schonungslos offenbart, was diesen Präsidenten ausmacht: seine Stärken ebenso wie seine Schwächen. Trump hatte in den Wochen zuvor durchaus Erfolge erzielt. Doch innerhalb eines einzigen Tages verkehrte sich seine offensive Ausgangsposition ins Defensive. Schlimmer noch: Seine Optionen haben sich drastisch verengt.
Verbrannte Brücken zu Verbündeten
Wie so oft wurden dabei Fehler begangen, die vermeidbar gewesen wären. Verbündete im Nahen Osten, allen voran Saudi-Arabien, wurden vor den Kopf gestoßen, durch Kommunikationsfehler rund um das sogenannte Project Freedom. Berichten zufolge drohte Riad, den USA die Nutzung ihrer Militärbasen zu untersagen. Der Druck wurde so groß, dass Trump das Projekt ad acta legen musste. Eine Luftnummer. Selbst gemacht, selbst verschuldet.
Das Regime in Teheran registriert dies genau. Es sieht Amerika geschwächt. Es sieht sich bereits als Sieger dieses Konflikts. Und tatsächlich: Die militärischen Ziele wurden nicht erreicht. Sollte dies das Ende sein, dann stehen wir vor einem Trümmerhaufen und es hätte sich gezeigt, dass die Beharrlichkeit Teherans, sein hohes Pokern, seine kühle Kalkulation am Ende belohnt wurde.
Das System des Westens ist anfällig. Marktwirtschaft, pluralistische Gesellschaften, Meinungsvielfalt: Das alles schränkt den Handlungsspielraum demokratisch gewählter Regierungen ein. Ein autoritäres Regime hat da mehr Spielraum. Das ist keine neue Erkenntnis, aber sie trifft hier mit besonderer Wucht.
Eine Zwickmühle ohne guten Ausweg
Trumps Optionen sind begrenzt, und er hat sich selbst in diese Lage manövriert.
Erstens: ein schlechter Deal mit einem Regime, das sich erfahrungsgemäß nicht an Vereinbarungen hält. Es käme einer Kapitulation gleich, die er sich und dem Volk selbstverständlich als Sieg verkaufen würde.
Zweitens: ein Militärschlag, um das Regime zu enthaupten, den Iran so hart zu treffen, dass eine Kapitulation näherrücken könnte. Könnte.
Trump will keinen weiteren Krieg. Das hat er in den letzten Tagen klar gesagt: All die amerikanischen Kriege der vergangenen Jahrzehnte haben Jahre gedauert, doch heute erwartet die Öffentlichkeit, dass ein Konflikt in wenigen Wochen erledigt ist. Das ist eine Illusion, und an dieser Realität scheitert der Präsident. Erschwerend kommt hinzu, dass er selbst diese Erwartung eines kurzen, entschiedenen Konflikts mit großem Nachdruck befeuert hat.
Israel, die Golfstaaten und das große Bild
Und dann ist da noch Israel. Nach außen mag die Politik schweigen. Im Inneren brodelt es.
Es geht schon längst nicht mehr nur um Wirtschaft oder bilaterale Interessen. Es geht um die Sicherheit und Stabilität einer ganzen Region. Darin sind sich die Golfstaaten und Israel einig: Das Regime muss weg. Seine nuklearen Fähigkeiten müssen beseitigt werden. Sein Raketenarsenal ebenso.
Wenn die USA nun den Rückzug antreten und Trump einen faulen Kompromiss eingeht, dann ist das Bild komplett. Amerika bringt Krieg in den Nahen Osten, und von all den Versprechen der letzten Jahrzehnte wurde keines gehalten.
Vielleicht müssen auch jene in Washington, die mit großem Pathos von neuen Machtkonstellationen und einem neuen Zeitalter sprachen, nun erkennen: Auch sie sind gefangen. Gefangen von den Geistern, die sie selbst gerufen haben.
Wir werden sehen. Vielleicht gibt es Überraschungen, einen Vertrag, einen Kurswechsel, eine Eskalation. Die kommenden Tage und Wochen werden es zeigen.
Benjamin Funk
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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