Warum trotz scharfer Töne ein schneller Krieg mit Iran derzeit unwahrscheinlich ist
Die jüngsten Berichte über mögliche israelische Planungen für eine zweite militärische Konfrontation mit Iran haben erneut die Frage aufgeworfen, ob eine Eskalation unmittelbar bevorsteht. Doch bei nüchterner Betrachtung sprechen mehrere Faktoren klar gegen einen schnellen Krieg.
Erstens fehlt derzeit das operative Momentum. Weder in Israel noch auf US-Seite sind jene militärischen Vorbereitungen sichtbar, die frühere Eskalationen begleitet haben. Keine Mobilisierung, keine außergewöhnlichen Maßnahmen an der Heimatfront, keine erkennbare Verlegung entscheidender Luft- und Raketenabwehrkapazitäten. Das ist kein Zufall, sondern ein Signal kontrollierter Zurückhaltung.
Zweitens setzt Washington klare Bedingungen. Die USA unter Präsident Donald Trump machen ihre Unterstützung von konkreten iranischen Grenzüberschreitungen abhängig, insbesondere im nuklearen Bereich. Solange Iran unterhalb dieser Schwelle bleibt, ist ein amerikanisches grünes Licht für einen umfassenden Schlag nicht garantiert. Für Benjamin Netanyahu ist das ein entscheidender Faktor.
Drittens agiert Iran derzeit defensiv. Teheran arbeitet am Wiederaufbau seiner Fähigkeiten, vermeidet aber offene Provokationen. Ein Präventivschlag Israels ohne klaren iranischen Anlass würde international schwer zu legitimieren sein.
Schließlich spielt Zeit eine strategische Rolle. Alle Seiten nutzen die aktuelle Phase zur Neujustierung, zur Abschreckung und zum Gewinnen von Handlungsspielraum. Das bedeutet nicht Entwarnung, aber es erklärt, warum ein schneller Irankrieg derzeit unwahrscheinlich ist. Die Gefahr liegt weniger in der Planung als in der Fehlkalkulation.
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