Warum der Westen den Nahen Osten immer noch falsch liest
Während die Vereinigten Staaten erneut Gespräche mit Iran aufnehmen, zeigt sich ein bekanntes Grundproblem westlicher Außenpolitik: Washington denkt in Verträgen, Zeitplänen und Symbolen, der Nahost in Macht, Abschreckung und langen Linien. Diese Diskrepanz prägt fast jede amerikanische Fehlannahme in der Region.
Westliche Politik misst Erfolg an Unterschriften unter dem Abkommen. Im Nahen Osten zählt etwas anderes: Überleben, Einfluss und die Fähigkeit, den Gegner dauerhaft unter Druck zu halten. Bündnisse entstehen hier nicht aus gemeinsamen Werten, sondern aus gemeinsamen Bedrohungen. Dass sunnitische Hamas und schiitischer Iran kooperieren, ist kein Widerspruch, sondern Logik. Israel versteht das seit Jahrzehnten. Washington unterschätzt es immer wieder.
Wenn Donald Trump signalisiert, Gespräche könnten sich auf das Nukleardossier beschränken, blendet das die eigentliche Bedrohung aus: Raketen, Proxys und regionale Machtprojektion. Für Ali Chamenei sind Verhandlungen kein Weg zur Einigung, sondern ein Instrument zur Zeitgewinnung. Verzögerung und Täuschung gehören zur Strategie, nicht zum Regelbruch.
Der Nahe Osten belohnt keine Ungeduld. Er testet Schwäche und reagiert auf Klarheit. Wer Abschreckung durch Diplomatie ersetzt, verliert beides. Wer erst verhandelt und dann droht, wird nicht ernst genommen. Die Lehre ist unbequem, aber eindeutig: weniger Symbolpolitik, mehr Konsequenz. Macht, Glaubwürdigkeit und Geduld sind hier keine Option, sondern Voraussetzung.
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