Warten auf Teheran: Warum weder die Hisbollah noch der Iran selbst einlenken
Zwei Entwicklungen dieser Woche zeichnen ein Bild davon, wie wenig sich am Grundkurs der vom Iran angeführten Achse trotz jüngster Rückschläge geändert hat: Israels Nordkommando warnt, die Hisbollah werde früher oder später mit einer bedeutenden Reaktion auf die andauernde israelische Präsenz im Südlibanon antworten. Fast zeitgleich wies der Sekretär von Irans Oberstem Nationalen Sicherheitsrat, Mohsen Rezaei, jede Gesprächsbereitschaft mit den USA zurück, wenige Tage nachdem Präsident Trump selbst Offenheit für neue Verhandlungen signalisiert hatte.
Nordkommando warnt vor Stillstand
Offiziere des Nordkommandos warnten laut der Jerusalem Post, ein dauerhaft statisches Vorgehen im Libanon könne sich für die israelische Armee (IDF) über die Zeit als gefährlich erweisen und einen hohen Blutzoll fordern, selbst nach der komplexen Operation am Ali-Taher-Grat, bei der zuletzt Terrorinfrastruktur zerstört und Dutzende Kämpfer getötet wurden, wie bereits berichtet. Aufklärung und Nachrichtendienst zeigten bereits, dass der Gegner die israelische Vorgehensweise systematisch studiere, daraus lerne und versuche, kleine Guerillazellen unterhalb der Wahrnehmungsschwelle zu betreiben.
Derzeit gilt eine von der Armee definierte „Todeszone“, die von Israel kontrolliertes Gebiet vom Einflussbereich der Hisbollah trennt. Nordkommando-Chef Generalmajor Rafi Milo hat die Linie klar gezogen: Wer diese Zone betritt, wird getötet. Um das durchzusetzen, arbeitet die Armee seit Wochen daran, die Zusammenarbeit zwischen Bodentruppen, Luftwaffe und militärischem Nachrichtendienst zu verbessern, mit dem Ziel, Ziele schneller und präziser zu identifizieren und anzugreifen. Die größere Frage im Nordkommando lautet jedoch, wie lange sich dieser Zustand aufrechterhalten lässt, insbesondere mit Blick auf den nahenden Winter, dessen typisch schweres Wetter sowohl Bodentruppen als auch Luftfahrzeuge unmittelbar einschränkt, ein Problem, das in der Armee bereits unter dem Schlagwort „libanesischer Schlamm“ diskutiert wird.
Eine geschwächte, aber nicht zu unterschätzende Organisation
Nach Einschätzung der Offiziere wird die Hisbollah nicht unbegrenzt in völliger Zurückhaltung verharren, ohne irgendwann deutlich zu reagieren. Ihre Führung warte dabei genau auf Entwicklungen in der iranischen Arena, alles hänge letztlich von Teheran ab. Zugleich herrscht im Sicherheitsapparat Konsens, dass es sich längst nicht mehr um jene Hisbollah handelt, die Israel zu Kriegsbeginn vor knapp drei Jahren kannte: Die Organisation operiert ohne ihre einstige erfahrene Führungsriege, wenngleich es dem zunächst als Übergangsfigur eingeschätzten Scheich Naim Kassem gelungen sei, die verschiedenen Zweige der Organisation im Gleichgewicht zu halten. Auch das gewaltige, einst vom Iran finanzierte Budget sowie das umfangreiche Waffenarsenal, die befestigten unterirdischen Stellungen und die erfahrenen Feldkommandeure, die einst jeden Pfad entlang der Nordgrenze kannten, fehlen der Hisbollah inzwischen. Unter den eigenen Leuten wächst zudem Unmut über den Kurs der Organisation gegenüber Israel, während sie zugleich vor der Herausforderung steht, Gehälter, Pensionen für Veteranen, Unterstützung für Familien von „Märtyrern“ sowie Hilfe für Verwundete und deren Angehörige zu finanzieren.
Dennoch dürfe man die radikale schiitische Organisation nicht unterschätzen, sie baue bereits wieder Kapazitäten auf, unter anderem durch den verstärkten Einsatz von Drohnen und glasfasergesteuerten Drohnen, die sich in jüngsten Konfrontationen als wirksam erwiesen hätten. Sorge bereitet dem Sicherheitsapparat dabei besonders Nabatieh, das als „Jerusalem der Hisbollah“ gilt, eine schiitische Hochburg, in der sich die Armee bislang auf Luftangriffe beschränkt. Unklar bleibt zudem, ob angesichts der Budgetkrise ausreichend Mittel für die Wintervorbereitung an allen Fronten vorhanden sind und ob die durch den andauernden Reservedienst belasteten Divisionen tatsächlich für einen erneuten Großkrieg trainieren und über einsatzbereite Operationspläne verfügen.
Teheran bleibt hart
Wie sehr tatsächlich alles von Teheran abhängt, zeigte sich fast zeitgleich an anderer Stelle: Nachdem Präsident Trump am Montag erklärt hatte, offen für neue Gespräche mit dem Iran zu sein, „die scheiternde Nation Iran will schnell und dringend einen Deal, ich werde entscheiden, ob die USA sich darauf einlassen“, schrieb er auf Truth Social, wies der Sekretär von Irans Oberstem Nationalen Sicherheitsrat, Mohsen Rezaei, jede Gesprächsbereitschaft entschieden zurück. „Lasst euch nicht von den widersprüchlichen Signalen des US-Präsidenten ablenken, von ‚keine Verhandlungen‘ zu ‚wir sind bereit zu reden'“, schrieb Rezaei, ein früherer Kommandeur der Revolutionsgarden, auf X. „Die Lage rund um Öl und die Meerengen hat sich verändert. Schadensbegrenzung wird nicht stoppen, was kommt. Keine Gespräche, bevor Irans Bedingungen erfüllt sind. Punkt.“ Der Iran hat wiederholt Kriegsreparationen sowie die Aufhebung der Sanktionen als Vorbedingungen für ein Ende des Kriegs und der Blockade der Straße von Hormus genannt.
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