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18 Jan 2026

Waffenruhe hält, Spielraum schrumpft: Israels heikle zweite Phase in Gaza

Mit dem Fortbestehen der Waffenruhe ist Israel faktisch in eine neue Phase des Gaza-Prozesses eingetreten. Während in Washington der politische Takt vorgegeben wird, verengt sich Jerusalems Handlungsspielraum spürbar. Die USA drängen auf sichtbare Fortschritte, neue Verwaltungsstrukturen für Gaza nehmen Form an, auch wenn zentrale Streitpunkte aus Phase eins ungelöst bleiben.

Präsident Donald Trump setzt auf schnelle Erfolge, die politisch vermarktbar sind. Für Israel bedeutet das wachsenden Druck, Positionen zu klären, ohne dabei eigene Kernforderungen preiszugeben. Denn parallel wird deutlich, dass Hamas die neuen Gremien eher als Fassade betrachtet und kaum Anzeichen zeigt, reale Macht abzugeben.

Gleichzeitig verliert Israel schrittweise die Freiheit, den Kurs selbst zu bestimmen. Internationale Akteure, darunter Staaten, die Jerusalem in Gaza eigentlich nicht sehen will, gewinnen Einfluss. Das sorgt erstmals offen für Spannungen zwischen Israel und United States.

Vor diesem Hintergrund braucht es weniger Parolen und mehr Klarheit. Israel muss definieren, was realistisch erreichbar ist, und sich auf drei Punkte fokussieren: die Rückführung der Geiseln, dauerhafte operative Handlungsfreiheit in Gaza und eine wirksame Kontrolle kritischer Grenzbereiche. Ohne diese Priorisierung droht die Kluft zwischen Anspruch und Realität weiter zu wachsen.

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