Geld nach Fahrgästen: Israel stellt die Bezahlung seiner Busunternehmen um

Busse, die an der Haltestelle vorbeifahren, unpünktliche Verbindungen und lange Wartezeiten gehören in Israel vielerorts zum Alltag. Nun soll sich das System grundlegend ändern. Am Montag unterzeichnete die nationale Behörde für öffentlichen Verkehr Vereinbarungen mit sechs Busunternehmen im Gesamtwert von rund 28 Milliarden Schekel. Die Betreiber sollen künftig auch danach bezahlt werden, wie viele Menschen sie tatsächlich befördern. Zugleich sollen wenig genutzte Linien ausgedünnt werden.

Wer in Israel regelmäßig Bus fährt, kennt das Problem. Man wartet an der Haltestelle, sieht den Bus kommen, und er fährt einfach vorbei. Andere Fahrten fallen ganz aus oder kommen mit erheblicher Verspätung. Die Beschwerden über Busse, die nicht anhalten, sind nach Angaben des Verkehrsministeriums in weniger als zwei Jahren um rund 200 Prozent gestiegen. Hinzu kommt ein massiver Fahrermangel: In einer Sitzung eines Knesset-Ausschusses im Februar hieß es, rund 5.000 Busfahrer fehlten, mehr als 1.800 Fahrten fielen deshalb täglich aus.

Bislang zählte vor allem die Strecke

Ein Teil des Problems liegt im bisherigen Vergütungssystem. Die Busunternehmen wurden praktisch nur nach gefahrenen Kilometern bezahlt. Ob ein Bus voll war oder fast leer fuhr, spielte wirtschaftlich kaum eine Rolle, der Anreiz, zusätzliche Fahrgäste zu gewinnen, war gering. Der Staatskontrolleur hatte die hohen Subventionen bei gleichzeitig schwacher Leistung bereits vor Jahren kritisiert.

Künftig sollen rund 15 Prozent der Vergütung von der Zahl der tatsächlich entwerteten Fahrscheine abhängen, also vom Einchecken mit der Fahrkarte oder per App. Die übrigen 85 Prozent bleiben eine feste Zahlung pro Kilometer. Für jeden Fahrgast über einem festgelegten Ausgangswert erhalten die Betreiber einen erhöhten Satz. Nach Angaben von Ynet steigt die Vergütung pro zusätzlichem Fahrgast von bisher etwa 2,30 auf rund vier Schekel. Idan Moalem, Chef der Behörde für öffentlichen Verkehr, sprach von einem „Meilenstein“ für die Branche. Er dankte unter anderem Verkehrsministerin Miri Regev.

Weniger Busse auf schwachen Strecken

Die Reform hat allerdings auch eine Kehrseite. Wenig genutzte Linien sollen ausgedünnt, die frei werdenden Busse und Fahrer auf überfüllte Strecken und in unterversorgte Gebiete verlegt werden. Insgesamt sollen nach den vorliegenden Angaben rund 10,5 Prozent der jährlich gefahrenen Buskilometer umverteilt werden. Für gestrichene Kilometer erhalten die Betreiber teilweise einen Ausgleich, im Fall des Unternehmens Metropoline 40 Prozent.

Besonders betroffen sein könnten Verbindungen zwischen kleineren Orten. Dort fahren Busse oft mit wenigen Fahrgästen, sind für Menschen ohne Auto aber unverzichtbar. Gerade in Galiläa, auf dem Golan und im Negev ist der Bus für Jugendliche, ältere Menschen und Familien mit geringem Einkommen häufig die einzige Möglichkeit, in die nächste Stadt zu kommen. Die entscheidende Frage lautet deshalb, ob die Reform tatsächlich zu besseren Verbindungen führt oder ob Bewohner ländlicher Regionen künftig noch schwerer zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen gelangen.

Sechs Unternehmen haben unterschrieben

Unterzeichnet haben Metropoline, Kavim, Superbus, Nativ Express, Electra Afikim und Derech Egged. Die beiden traditionsreichen Großbetreiber Egged und Dan sind bislang nicht dabei. Im Gegenzug können die bestehenden Konzessionen der Unternehmen um bis zu vier Jahre verlängert werden, allerdings nur, wenn sie vereinbarte Ziele bei Fahrgastzahlen und Servicequalität erreichen. Bei Metropoline, das rund 1.800 Busse betreibt, hängen etwa die letzten beiden Verlängerungsjahre von einem Mindestniveau beim Service ab. Zugleich hat sich das Ministerium verpflichtet, neue Ausschreibungen zu beschleunigen und so den Wettbewerb zu stärken.

Lob und Kritik

Die Organisation Lobby 99, die sich seit Jahren für ein neues Vergütungsmodell einsetzt, begrüßte die Vereinbarungen als wichtigen Schritt. Die Behörde müsse aber noch weiter gehen. Deutlicher wird das Forum für öffentlichen Verkehr. Die Richtung stimme, ein Anteil von 15 Prozent sei als Anreiz aber zu gering. Die Verlängerung langfristiger Konzessionen belohne mittelmäßigen Service und verleite die Unternehmen zu falschen Angaben, wie jüngste Fälle gezeigt hätten. Das Forum fordert, dass die Fahrgeldeinnahmen vollständig bei den Betreibern bleiben, und verweist auf das Modell der Region Amsterdam.

Was bedeutet das für die Fahrgäste?

Änderungen an einzelnen Linien könnten nach Angaben des Ministeriums schon bald beginnen, einen vollständigen Zeitplan gibt es aber noch nicht. Fahrgäste sollten ihre gewohnten Verbindungen deshalb vor Fahrtantritt überprüfen. Ob die Busse tatsächlich zuverlässiger werden, hängt ohnehin von mehr ab als vom neuen Bezahlmodell. Fahrermangel, verstopfte Straßen und eine unzureichende Infrastruktur verschwinden nicht durch bessere Anreize. Die Behörde spricht von einem grundlegenden Wandel, weil die wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen erstmals stärker an die Bedürfnisse der Fahrgäste gekoppelt werden. Ob 28 Milliarden Schekel den öffentlichen Verkehr wirklich verbessern, wird sich am Ende an Israels Bushaltestellen zeigen.

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