Mehr Avocados, weniger Kichererbsen: Satelliten zeigen, wie sich Israels Landwirtschaft verändert

Israels Landwirtschaft verändert sich stärker, als es auf den ersten Blick scheint. Mithilfe künstlicher Intelligenz und Satellitenbildern haben Forscher erstmals rund 200.000 landwirtschaftliche Parzellen systematisch kartiert. Die Ergebnisse überraschen: Während immer mehr Avocados und Weintrauben angebaut werden, verschwinden andere Kulturen zunehmend von den Feldern. Die neue Technik soll künftig helfen, die Lebensmittelproduktion besser zu planen.

Wer durch Israel fährt, sieht Landwirtschaft in ganz unterschiedlichen Formen. Avocadoplantagen in Galiläa, Weinberge auf den Golanhöhen, Getreidefelder im Jesreel-Tal und große Gemüseanbauflächen im Süden gehören seit Jahrzehnten zum Landschaftsbild. Was tatsächlich auf Israels Feldern wächst, verändert sich jedoch ständig. Eine neue Auswertung des Ministeriums für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit zeigt nun erstmals genauer, wie groß diese Veränderungen sind. Gemeinsam mit dem Volcani-Forschungsinstitut und der Ben-Gurion-Universität des Negev entwickelte das Ministerium ein System, das landwirtschaftliche Flächen mithilfe künstlicher Intelligenz und Satellitenaufnahmen überwacht. Das Ergebnis ist eine Art digitale Landkarte der israelischen Landwirtschaft.

Rund 200.000 Felder aus dem All beobachtet

Drei Jahre arbeiteten die Wissenschaftler an dem System. Sie nutzten Satellitenbilder und Luftaufnahmen der Landesvermessung sowie Daten von Zehntausenden Parzellen, mit denen die künstliche Intelligenz trainiert wurde. Einen Teil dieser Daten lieferte der staatliche Fonds für die Versicherung gegen Naturschäden in der Landwirtschaft. Ursprünglich sollte das System 28 Hauptkulturen erkennen, sagt Dr. Ofer Rosenstein vom Volcani-Institut. Inzwischen erfasst es rund 200.000 Flächen automatisch und unterscheidet mehr als 40 Anbaukulturen. Von der Ben-Gurion-Universität war unter anderem Prof. Tarin Paz-Kagan beteiligt.

Damit lässt sich nicht nur feststellen, wo beispielsweise Avocados oder Weizen wachsen. Die Wissenschaftler können auch nahezu in Echtzeit beobachten, wie sich Pflanzen während der Saison entwickeln und welche Flächen ihre Nutzung ändern. Bislang war das wesentlich aufwendiger. Das Ministerium habe sich früher auf teure Erhebungen gestützt, erklärt Erez Osman, Leiter der Abteilung für Wirtschaftspolitik und Statistik. Jede dieser Erhebungen kostete mehr als zwei Millionen Schekel, fand nur alle paar Jahre statt und deckte lediglich rund 60 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ab.

Avocados werden zum großen Gewinner

Besonders deutlich wird die Veränderung beim Avocadoanbau. Zwischen 2018 und 2025 wuchs die mit Avocados bepflanzte Fläche in Israel um 56 Prozent, von rund 116.000 auf etwa 181.000 Dunam. Ein Dunam entspricht 1.000 Quadratmetern, Avocadobäume stehen damit inzwischen auf rund 18.100 Hektar. Insgesamt legten subtropische Obstkulturen um etwa 40 Prozent auf rund 268.000 Dunam zu.

Auch die Weinberge werden größer. Ihre Fläche stieg innerhalb von sieben Jahren um 22 Prozent, von rund 96.000 auf 118.000 Dunam. Bei Dattelpalmen verzeichneten die Forscher einen Zuwachs von neun Prozent auf etwa 86.000 Dunam. Die Entwicklung passt zum wachsenden wirtschaftlichen Interesse an bestimmten Obstkulturen. Avocados und Weintrauben bieten unter geeigneten Bedingungen gute Absatzmöglichkeiten, auf dem israelischen Markt ebenso wie im Export.

Warum Kichererbsen verschwinden

Während einige Kulturen wachsen, verlieren andere deutlich an Bedeutung. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei Kichererbsen: Ihre Anbaufläche schrumpfte zwischen 2018 und 2025 um 77 Prozent. Die Forscher führen den Rückgang unter anderem auf steigende Importe zu niedrigen Preisen zurück. Der deutliche Einbruch begann bereits in den Jahren 2019 und 2020.

Auch andere Kulturen verloren Fläche. Der Anbau von Zitrusfrüchten ging um 14 Prozent zurück, Plantagen mit sommergrünen Obstbäumen schrumpften um 16 Prozent, bei Olivenbäumen betrug der Rückgang etwa 7,4 Prozent. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Israel entsprechend weniger erntet, denn die Untersuchung erfasst Anbauflächen, nicht Erntemengen. Die Veränderungen zeigen vielmehr, wie Landwirte auf Marktpreise, Importkonkurrenz, Produktionskosten und verfügbare Ressourcen reagieren.

Brachflächen im Negev

Eine weitere Erkenntnis betrifft Flächen, auf denen derzeit gar nichts angebaut wird. Das System identifizierte rund 160.000 Dunam, die mindestens drei Jahre in Folge nicht bewirtschaftet wurden, etwa 73.000 Dunam davon im Negev. Das heiße nicht zwangsläufig, dass die Böden ungeeignet seien, betont das Ministerium. Es will nun untersuchen, was einer Nutzung im Weg steht. Dass zusätzliche Infrastruktur viel bewirken kann, zeigt der Mais: Seine Anbaufläche im Negev wuchs um rund 25.000 Dunam. Eine Rolle spielten dabei neue Wasserleitungen und gereinigtes Abwasser aus der Kläranlage Schafdan im Großraum Tel Aviv.

Mehr Wissen für die Landwirtschaft der Zukunft

Für das Ministerium ist die neue Kartierung deshalb weit mehr als eine technische Spielerei. Sie soll helfen, die verfügbaren Flächen besser zu nutzen, Veränderungen früh zu erkennen und die Produktion langfristig zu planen. Dabei geht es auch um Ernährungssicherheit. Wenn bekannt ist, welche Kulturen zurückgehen, welche sich ausbreiten und wo Flächen ungenutzt bleiben, können staatliche Stellen gezielter prüfen, ob Anpassungen notwendig sind. Auch Forscher, Bauern und interessierte Bürger sollen Zugang zu den Daten erhalten, Interesse hat unter anderem bereits das Zentrale Statistikamt angemeldet.

Die Satelliten entscheiden nicht, was ein Landwirt anbauen sollte. Sie zeigen aber wesentlich genauer als bisher, was auf Israels Feldern tatsächlich geschieht. Die gesamte Agrarfläche ist mit rund 4,3 bis 4,4 Millionen Dunam seit 2018 nahezu gleich geblieben. Was auf ihr wächst, verändert sich jedoch erheblich, weil sich Israels Landwirtschaft an neue Märkte und die begrenzten Ressourcen des Landes anpasst.

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