02 Oct 2026

Aus 51 Ländern nach Jerusalem: Warum Hunderte Christen gerade jetzt nach Israel kommen

Mehr als 550 christliche Leiter aus 51 Ländern sind derzeit in Israel. Am Samstagabend kommen sie am Davidsturm in Jerusalem zu „Awake Jerusalem“ zusammen. Die zehntägige Reise fällt bewusst in die Zeit der Herbstfeiertage um Sukkot und unmittelbar vor den dritten Jahrestag des 7. Oktober. Die Teilnehmer wollen nicht nur beten und Gottesdienste feiern, sondern Israel und seine Menschen persönlich kennenlernen.

Am Samstagabend wird es am Davidsturm in Jerusalem international. Christliche Leiter aus Afrika, Asien, Europa sowie Nord- und Südamerika treffen sich dort zu Musik und Gebet. Nach Angaben der Veranstalter sind mehr als 550 von ihnen in diesen Tagen nach Israel gekommen, sie vertreten Kirchen und christliche Netzwerke aus 51 Ländern. Der Abend trägt den Namen „Awake Jerusalem“ und wird auch über christliche Medien ins Ausland übertragen. Organisiert wird er von der amerikanischen Organisation Eagles‘ Wings um ihren Gründer Robert Stearns. Der Musikabend ist allerdings nur ein Teil einer zehntägigen Reise durch Israel.

Nicht nur die bekannten Orte sehen

Das Programm geht deutlich über eine klassische Israelreise hinaus. Die Teilnehmer treffen israelische Vertreter, religiöse Leiter und Menschen, deren Leben durch die vergangenen drei Jahre geprägt wurde, nach Angaben der Organisatoren auch ehemalige Geiseln und Angehörige von Opfern. So soll ihnen ein Israel begegnen, das sich über Nachrichtenbilder nur schwer vermitteln lässt. Die Idee dahinter ist einfach: Wer anschließend vor Hunderten oder Tausenden Menschen in seiner Heimatgemeinde über Israel spricht, soll das Land nicht nur aus dem Fernsehen kennen.

Zu den Teilnehmern gehören Leiter großer Kirchen aus den Philippinen, Costa Rica und Brasilien, auch eine größere Delegation aus Nigeria ist gekommen. Die vertretenen Kirchen und Netzwerke erreichen nach Angaben von Eagles‘ Wings weltweit Millionen Christen.

Eine Reise zu einem besonderen Zeitpunkt

Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Die Gruppe ist über die Feiertage um Sukkot in Israel und bleibt bis zum Jahrestag des 7. Oktober. Gerade das Laubhüttenfest hat für christliche Besucher Jerusalems seit Jahrzehnten eine besondere Bedeutung. Der Prophet Sacharja beschreibt eine Zukunft, in der Menschen aus den Nationen nach Jerusalem hinaufziehen, um dort das Laubhüttenfest zu feiern (Sacharja 14,16). Auch deshalb reisen jedes Jahr Christen aus zahlreichen Ländern zu Sukkot nach Israel.

Doch 2026 ist die Lage eine andere als bei vielen früheren Pilgerreisen. Israel blickt auf drei Jahre zurück, die das Land tief verändert haben. Internationale Kritik, politische Auseinandersetzungen und ein teils stark eingebrochener Tourismus haben auch die Beziehungen zwischen Israel und christlichen Gemeinden im Ausland beeinflusst. Dass nun Hunderte Leiter aus 51 Ländern persönlich kommen, verstehen die Organisatoren deshalb auch als Zeichen der Verbundenheit. Robert Stearns formuliert das Ziel entsprechend deutlich: Die Teilnehmer wollten den Menschen in Israel zeigen, dass sie an ihrer Seite stehen, und ihre Erfahrungen anschließend in ihre Länder tragen.

Musik vor den Mauern Jerusalems

Der sichtbarste Moment der Reise ist der Samstagabend am Davidsturm. Die alte Zitadelle unmittelbar am Jaffator gehört zu den bekanntesten Orten Jerusalems. Dort treten christliche Musiker aus verschiedenen Ländern auf, im Mittelpunkt stehen Musik, Gebet und die Verbindung zu Jerusalem. „Awake Jerusalem“ hat bereits in den vergangenen Jahren internationale Besucher in die Stadt gebracht. Für die Organisatoren ist der Abend ausdrücklich mehr als ein Konzert: eine geistliche Begegnung im Land der Bibel und eine Möglichkeit, Christen unterschiedlicher Herkunft miteinander zu verbinden. Durch die Übertragung soll er weit über die Menschen vor Ort hinausreichen.

Millionen Christen beten für Jerusalem

Nur einen Tag später folgt eine weitere internationale Initiative: Am Sonntag, dem 4. Oktober, findet der jährliche „Day of Prayer for the Peace of Jerusalem“ statt, der Gebetstag für den Frieden Jerusalems. Nach Angaben von Eagles‘ Wings beteiligen sich daran Christen und Gemeinden in mehr als 175 Ländern. Die Initiative wird seit über zwei Jahrzehnten jeweils am ersten Sonntag im Oktober begangen. Im Mittelpunkt steht Psalm 122,6: „Bittet um Frieden für Jerusalem“ (Schlachter 2000).

Unabhängig davon, wie man einzelne politische Entwicklungen in Israel beurteilt, steht für die Organisatoren eines im Mittelpunkt: Christen sollen ihre Beziehung zu Israel nicht allein von Schlagzeilen bestimmen lassen. Für die Teilnehmer geschieht das in diesen Tagen sehr konkret. Sie laufen durch Jerusalem, treffen Menschen, hören persönliche Geschichten und erleben ein Land, über das viele von ihnen anschließend in ihren Heimatgemeinden sprechen werden. Am Samstagabend kommen sie dafür an einem Ort zusammen, an dem seit Jahrtausenden unterschiedlichste Menschen vorbeigezogen sind: vor den Mauern der Jerusalemer Altstadt. Hunderte christliche Leiter aus 51 Ländern, und im Mittelpunkt eine gemeinsame Stadt: Jerusalem.

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