Erstwähler zwischen Rechtsdrall und Eisenkot: Was 550.000 junge Israelis wählen würden

Bei der kommenden Wahl werden rund 550.000 junge Israelis erstmals wahlberechtigt sein, Menschen zwischen 18 und 22 Jahren, die nach Schätzungen für 10 bis 12 Mandate stehen. Eine vom Institut Midgam unter Leitung von Mano Geva im Auftrag von N12 durchgeführte Umfrage zeigt nun, wem diese Generation ihre Stimme geben würde, und liefert dabei ein überraschend uneinheitliches Bild: Trotz eines deutlichen Rechtsrucks in der Selbsteinschätzung übertragt sich dieser nicht eins zu eins in die Parteipräferenz.

74 Prozent der befragten Erstwähler bezeichnen sich selbst als rechts oder rechte Mitte, gegenüber 23 Prozent links oder linke Mitte, ein deutlich höherer Anteil als in der Gesamtbevölkerung, wo das Verhältnis bei 67 zu 33 Prozent liegt. Fände die Wahl heute statt, würden trotzdem 16 Prozent der Befragten (ausschließlich jüdische Bevölkerung) für Gadi Eisenkots Partei Yashar stimmen, 14 Prozent für den von Netanyahu geführten Likud, 10 Prozent für Naftali Bennetts B’Yachad, 9 Prozent für das Vereinigte Thora-Judentum, 7 Prozent für Jair Golans Demokraten, jeweils 6 Prozent für Religiösen Zionismus und für Avigdor Libermans Yisrael Beytenu, 5 Prozent für Itamar Ben Gvirs Otzma Yehudit, 4 Prozent für die Liste von Yoaz Hendel und Yaron Zelekha, 3 Prozent für Schas unter Aryeh Deri sowie 3 Prozent für Ofer Winters Partei „Volk Israel“. Die übrigen Parteien kamen jeweils auf rund ein Prozent, 10 Prozent der Befragten gaben an, noch unentschlossen zu sein.

Überraschung bei Ben Gvir und in der Haredi-Gemeinschaft

Besonders auffällig ist der schwache Wert für Ben Gvir: Mit nur 5 Prozent unter Erstwählern liegt der Minister für nationale Sicherheit sogar hinter Religiösem Zionismus. Innerhalb der ultraorthodoxen Erstwähler ergibt sich ein noch überraschenderes Bild: Das Vereinigte Thora-Judentum erhält 45 Prozent ihrer Stimmen, Schas liegt mit lediglich 20 Prozent dramatisch dahinter, und auf Platz drei landet mit 13 Prozent ausgerechnet Ben Gvirs Otzma Yehudit, ein für eine chassidische Partei ungewöhnlich hoher Wert. Nach Einschätzung der Umfrage nimmt Ben Gvir damit gezielt Stimmen von Schas ab, was auch die zuletzt schärfere Kampagne der Partei gegen Otzma Yehudit erklären dürfte.

Generationenfrage und Kanzlerfrage

Auf die Frage, ob sie dieselbe Partei oder denselben Block wie ihre Eltern wählen würden, antworteten 59 Prozent, sie würden ähnlich wie ihre Eltern stimmen, 21 Prozent gaben an, anders wählen zu wollen. Unter Letzteren gaben 14 Prozent an, zu den Koalitionsparteien, also zum Netanyahu-Lager, zu wechseln, während 23 Prozent, deren Eltern das Netanyahu-Lager wählen, angaben, stattdessen für den Wechsel-Block stimmen zu wollen, ein leichtes Übergewicht zugunsten der Opposition beim generationsübergreifenden Stimmenwechsel.

Bei der Frage nach der Eignung zum Ministerpräsidentenamt genießt Netanyahu unter der jungen Generation deutlichen Vorsprung: Im direkten Vergleich mit Bennett halten 46 Prozent Netanyahu für besser geeignet, gegenüber 34 Prozent für Bennett, 15 Prozent antworteten „keiner von beiden“, 5 Prozent „weiß nicht“. Im Vergleich mit Eisenkot sehen 47 Prozent Netanyahu vorn, 37 Prozent Eisenkot, 10 Prozent „keiner von beiden“, 6 Prozent „weiß nicht“, auffällig also, dass Eisenkots Partei zwar in der Erstwähler-Sonntagsfrage vorn liegt, er selbst als Person der jungen Generation jedoch weniger geeignet erscheint als Netanyahu.

Wie sich das Gesamtbild seit der Listenschließung entwickelt hat

Die Erstwähler-Umfrage reiht sich in ein insgesamt sehr volatiles Gesamtbild ein. Seit der Schließung der Kandidatenlisten Anfang September hat Eisenkots Yashar in den meisten landesweiten Umfragen die Führung als stärkste Einzelpartei gehalten, mit Werten zwischen 22 und 25 Mandaten gegenüber 18 bis 22 für den Likud, wobei die genaue Reihenfolge von Institut zu Institut schwankte. Einzelne Ausreißer zeigten allerdings auch ein umgekehrtes Bild: Eine Umfrage von i24NEWS und Direct Polls ermittelte zwischenzeitlich sogar einen deutlichen Vorsprung für den Likud mit 27 gegenüber 22 Mandaten für Yashar, während bereits Anfang August eine KAN-Umfrage kurzzeitig einen knappen Vorsprung für den Likud (24 zu 23) gezeigt hatte. Auch bei der Blockfrage blieb das Bild über Wochen uneindeutig, mit Werten zwischen einem exakten Gleichstand und einem Vorsprung von mehreren Mandaten für das Wechsel-Lager.

Zuletzt hat sich der Trend jedoch wieder deutlich zugunsten Eisenkots verschoben: Die Prognoseplattform Polymarket räumt Yashar inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von rund 62 Prozent ein, als stärkste Partei aus der Wahl hervorzugehen, gegenüber nur 39 Prozent für den Likud, der höchste bislang für Eisenkots Partei gemessene Wert und eine Verschiebung, die sich binnen weniger Wochen deutlich beschleunigt hat.


Zur Umfrage: Durchgeführt von Midgam Consulting & Research unter Leitung von Mano Geva, Erhebungszeitraum 15. bis 22. September 2026, repräsentative Stichprobe der jüdischen Erstwähler-Bevölkerung (18–22 Jahre), 1.521 Personen angefragt, 301 tatsächliche Antworten, maximale Fehlermarge 4,4 Prozentpunkte, Online-Erhebung.

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