„Wirtschaftlicher D-Day“: Trump erhöht den Druck auf den Iran

Die USA bereiten eine weitere massive Verschärfung der Sanktionen gegen den Iran vor. Washington will dabei nicht mehr nur iranische Banken, Unternehmen und Ölexporte treffen, sondern zunehmend auch ausländische Firmen unter Druck setzen, die weiterhin Geschäfte mit Teheran machen. US-Finanzminister Scott Bessent spricht von einem „wirtschaftlichen D-Day“.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump will am Montag eine neue Stufe ihres wirtschaftlichen Drucks auf den Iran vorstellen. Finanzminister Scott Bessent kündigte die Einzelheiten für 14 Uhr Washingtoner Zeit an, das entspricht 21 Uhr israelischer Zeit.

Der genaue Umfang der neuen Maßnahmen ist damit am Montagmorgen noch nicht offiziell bekannt. Klar ist jedoch die Richtung: Washington will die wirtschaftliche Isolation des Iran deutlich verschärfen und insbesondere jene Staaten, Unternehmen und Finanznetzwerke treffen, über die Teheran bislang Sanktionen umgehen konnte.

Bessent bezeichnete die bevorstehenden Maßnahmen als einen „wirtschaftlichen D-Day“ für den Iran.

Der Druck richtet sich zunehmend gegen die Handelspartner

Ein entscheidendes Instrument dürften sogenannte Sekundärsanktionen sein. Dabei werden nicht nur iranische Unternehmen sanktioniert. Auch ausländische Firmen können den Zugang zum amerikanischen Finanzsystem oder zum US-Markt verlieren, wenn sie bestimmte Geschäfte mit dem Iran fortsetzen.

Damit steigt vor allem der Druck auf Unternehmen in China, der Türkei, Pakistan, Indien und Russland.

Selbst wenn einzelne Regierungen die amerikanischen Sanktionen politisch ablehnen, müssen ihre Unternehmen wirtschaftlich abwägen. Für international tätige Banken, Reedereien oder Industrieunternehmen kann der Zugang zum amerikanischen und westlichen Finanzsystem erheblich wichtiger sein als das Geschäft mit dem Iran.

Die Nachrichtenagentur AP berichtet, Washington wolle mit der neuen wirtschaftlichen Offensive unter anderem Zugeständnisse Teherans beim Atomprogramm und im Konflikt um die Straße von Hormus erzwingen.

Die Kampagne läuft bereits seit Monaten

Die neue Sanktionsrunde baut auf einer bereits laufenden amerikanischen Strategie auf.

Unter der Bezeichnung „Economic Fury“ hat das US-Finanzministerium in den vergangenen Monaten zahlreiche Unternehmen, Schiffe, Finanznetzwerke und Personen sanktioniert, denen Washington vorwirft, iranische Ölgeschäfte oder die Revolutionsgarden zu unterstützen.

Im Mai wurden mehr als 50 Unternehmen, Personen und Schiffe auf die Sanktionsliste gesetzt. Weitere Maßnahmen richteten sich gegen iranische Kryptowährungsplattformen, internationale Beschaffungsnetzwerke und Finanzstrukturen der Revolutionsgarden.

Washington versucht damit zunehmend, nicht nur einzelne iranische Unternehmen zu treffen, sondern komplette Netzwerke lahmzulegen, über die Geld, Rohstoffe und Waren bewegt werden.

China spielt eine Schlüsselrolle

Besonders wichtig bleibt China. Das Land ist weiterhin der bedeutendste Abnehmer iranischen Öls.

Nach Angaben von Reuters gehen mehr als 80 Prozent der iranischen Rohölexporte auf dem Seeweg nach China. Gleichzeitig zeigen jüngste Daten, dass die Lieferungen bereits deutlich unter Druck geraten sind.

Reuters berichtete Ende vergangener Woche, iranische Ölangebote für chinesische Käufer seien stark zurückgegangen. Im August sollen die iranischen Exporte zeitweise bei rund 534.000 Barrel pro Tag gelegen haben. Im Durchschnitt des vergangenen Jahres waren es noch etwa 1,4 Millionen Barrel täglich.

Für Teheran ist das problematisch. Der Ölverkauf gehört weiterhin zu den wichtigsten Quellen für Deviseneinnahmen.

Genau hier setzt die amerikanische Strategie an: Nicht nur iranische Tanker oder Unternehmen sollen sanktioniert werden. Auch diejenigen, die das Öl kaufen, finanzieren, transportieren oder weiterverarbeiten, geraten zunehmend ins Visier.

Auch andere Handelswege werden enger

Gleichzeitig werden weitere wirtschaftliche Verbindungen des Iran schwächer.

Die Vereinigten Arabischen Emirate, lange einer der wichtigsten Handelspartner und Umschlagplätze für iranische Waren, haben ihre Beziehungen zu Teheran zuletzt deutlich eingeschränkt.

Auch der Handel mit der Türkei und Indien ist seit Beginn der jüngsten Eskalation stark zurückgegangen.

Damit steht der Iran vor einem wachsenden Problem: Selbst Länder, die grundsätzlich bereit wären, weiterhin mit Teheran zu handeln, müssen inzwischen mit erheblichen wirtschaftlichen Konsequenzen rechnen.

Kryptowährungen und Schattenbanken im Visier

Ein weiterer Schwerpunkt der US-Regierung liegt auf den Finanzstrukturen der Revolutionsgarden.

Der Iran nutzt seit Jahren ein internationales Netzwerk aus Tarnfirmen, Wechselstuben, ausländischen Banken, Reedereien und zunehmend auch Kryptowährungen, um Sanktionen zu umgehen.

Das US-Finanzministerium versucht deshalb, diese Strukturen systematisch aufzudecken. Zuletzt wurden mehrfach Unternehmen und Personen sanktioniert, denen Washington vorwirft, Geld für die Revolutionsgarden bewegt oder iranische Ölgeschäfte verschleiert zu haben.

Israel Hayom berichtet, dass die USA auch verstärkt nach digitalen Vermögenswerten und Kryptowährungsbeständen suchen, die mit den Revolutionsgarden in Verbindung stehen sollen.

Wie weit geht Washington?

Nach Angaben von Israel Hayom könnte die neue Sanktionsrunde weit über die bisherigen Maßnahmen hinausgehen. Dem Bericht zufolge sollen künftig Geschäfte mit dem Iran in zahlreichen Wirtschaftsbereichen von amerikanischen Sanktionen bedroht sein. Ausnahmen könnten weitgehend auf humanitäre Güter wie Lebensmittel und Medikamente begrenzt werden.

Die Zeitung berichtet außerdem von Plänen, die Beschränkungen iranischer Öltransporte weiter zu verschärfen und den amerikanischen Einfluss auf die Schifffahrt rund um die Straße von Hormus auszubauen.

Diese Einzelheiten sind bislang jedoch nicht offiziell bestätigt.

Gerade hier ist die Unterscheidung wichtig: Dass Washington den wirtschaftlichen Druck massiv erhöhen will, ist bestätigt. Wie umfassend die neuen Sekundärsanktionen tatsächlich ausfallen werden, wird sich erst nach der offiziellen Vorstellung durch Bessent zeigen.

Teheran droht mit Konsequenzen

Der Iran reagiert bereits mit scharfen Warnungen.

Vertreter der iranischen Führung haben Staaten der Region davor gewarnt, sich an der amerikanischen Wirtschaftsoffensive zu beteiligen. Gleichzeitig droht Teheran weiterhin mit Maßnahmen gegen den Öltransport durch die Straße von Hormus.

Damit bleibt die amerikanische Strategie riskant.

Die USA wollen den wirtschaftlichen Druck so weit erhöhen, dass Teheran zu politischen Zugeständnissen gezwungen wird. Der Iran wiederum versucht deutlich zu machen, dass eine vollständige wirtschaftliche Isolation auch Folgen für den internationalen Energiehandel haben könnte.

Für Trump ist die Rechnung dennoch klar: Statt einer weiteren militärischen Eskalation soll zunächst wirtschaftlicher Druck den Handlungsspielraum der iranischen Führung immer weiter einschränken.

Ob diese Strategie das Regime tatsächlich zum Einlenken zwingt oder zu einer neuen Eskalation führt, dürfte auch davon abhängen, wie konsequent China und andere wichtige Handelspartner die amerikanischen Sanktionen tatsächlich umsetzen.

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