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Tiberias träumt vom Comeback, und rechnet mit dem Beben

Es sind zwei Zahlen, die diese Stadt beschreiben. Die eine lautet 7.000, so viele neue Wohnungen sollen in Tiberias entstehen, dazu acht Hotels rund um den See Genezareth und eine erneuerte Uferpromenade. Die andere lautet 1.830. So viele Menschen könnten nach Einschätzung des Bürgermeisters bei einem schweren Erdbeben binnen einer halben Minute sterben.

Beide Zahlen gehören zusammen, und sie erklären, warum die Stadtverwaltung Stadterneuerung nicht als Immobilienprojekt versteht.

Die Bruchlinie unter der Stadt

Tiberias liegt am Syrisch-Afrikanischen Grabenbruch, jener geologischen Nahtstelle, die vom Roten Meer über das Jordantal bis nach Syrien verläuft. Erdbeben sind dort keine ferne Möglichkeit, sondern eine Frage der Zeit.

„Stadterneuerung ist nicht nur ein weiteres Immobilienprojekt. Es geht darum, Leben zu retten“, sagt Bürgermeister Yossi Naba’a. „Nach jeder solchen Katastrophe irgendwo auf der Welt kann ich nachts nicht schlafen. Wir haben hier fast 600 Gebäude, die bei einem Beben der Stärke 6,5 schlicht einstürzen würden.“

Fünfzehn Erneuerungsprojekte laufen, bei vieren gibt es nennenswerte Fortschritte. Naba’as Klage richtet sich an den Staat: Man wende in der Peripherie dieselben Instrumente an wie im Zentrum des Landes. „Der Staat hat nicht verstanden, dass sich Stadterneuerung in der Peripherie nicht allein durch die wirtschaftliche Brille betrachten lässt.“ Die neue Regierungsentscheidung sieht rund 180.000 Schekel je Wohneinheit für Bauträger vor. Er nennt sie die Spitze des Eisbergs, aber einen guten Anfang.

Zwei Jahrzehnte Chaos, dann ein ungewöhnlicher Schritt

Der Bürgermeister trat sein Amt nach Jahren der Instabilität an. „Wir kamen gerade aus etwa 20 Jahren politischen Chaos.“ Auffällig war seine erste Entscheidung: Er übernahm nahezu sämtliche Pläne des staatlich eingesetzten Gremiums, das die Stadt zuvor geführt hatte. „Ich sagte, ich setze 95 Prozent der Pläne um, denn wenn ich anfange, alles zu ändern, verlieren wir Jahre.“ Und er holte seinen Wahlgegner in die Koalition: „Wir können fünf Jahre lang kämpfen und die Stadt weiter zurückhalten, oder wir arbeiten zusammen.“

Das Rahmenabkommen mit der Regierung umfasst die 7.000 Wohneinheiten in fünf Stadtvierteln, rund 4.000 sind noch zu vergeben. Parallel entstehen Straßen und Schulen. Nach früheren Regierungsangaben soll das Abkommen die Einwohnerzahl von Tiberias um die Hälfte steigern.

Die Promenade, und das Tempo

Beim Tourismus kann Naba’a bereits Vollzug melden. Über 200 Millionen Schekel flossen in die Erneuerung der Uferpromenade. „Wir haben alle Stände entfernt, die den Blick auf den See verstellten.“ Sein Vergleich sagt etwas über die Stadt: „In Eilat hat es sieben bis zehn Jahre gedauert, die Stände zu entfernen. Hier hat es 70 Tage gedauert.“

Rund acht neue Hotels rund um den See befinden sich in Planung oder Bau, dazu die Sanierung des Club Hotel. „Die Entwickler glauben an Tiberias. Es wird Schicht für Schicht gebaut und verlangt viel Vertrauen von den Bewohnern und vom Staat. Tiberias verdient es, zu alter Blüte zurückzukehren.“

Was der Krieg der Stadt abverlangte

Während der Evakuierung der Grenzortschaften nahm Tiberias zwischen 16.000 und 17.000 Menschen auf, überwiegend aus Kirjat Schmona, Schlomi und Ortschaften in Galiläa. „Ein Jahr lang in einem Hotelzimmer von 22 bis 25 Quadratmetern zu leben, ist nicht leicht. Wenn ich die Evakuierten heute treffe, sprechen sie vor allem über die Wärme, die sie von den Einheimischen erfahren haben.“ Rund 90 Prozent der öffentlichen Sammelschutzräume wurden erneuert.

Bleibt der vierte Punkt auf Naba’as Liste: Arbeitsplätze. Drei Rüstungsbetriebe befinden sich in der Genehmigungsphase. „Eine meiner größten Herausforderungen ist es, mehr Arbeit nach Tiberias zu bringen.“

Für alle, die diese Stadt am See kennen, ist das eine Nachricht mit doppeltem Boden. Tiberias galt jahrzehntelang als vernachlässigt, obwohl es an einem der bekanntesten Gewässer der Welt liegt. Ob sich das ändert, entscheidet sich nicht an Computerbildern, sondern daran, ob Menschen dort arbeiten, wohnen und bleiben wollen.

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