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07 Aug 2026

Der Schatten von 2006: Warum Eisenkot im Likud alte Ängste weckt

Es gibt einen Wahlkampf, den Benjamin Netanyahu vermutlich aus seinem politischen Gedächtnis streichen würde. Die Wahl von 2006, nach dem Abzug aus Gaza, der Spaltung des Likud und der Gründung von Kadima durch Ariel Sharon. Nach dessen Schlaganfall führte Ehud Olmert die neue Partei zum Sieg. Das Ergebnis war ein politisches Erdbeben: Kadima 29 Mandate, der Likud abgestürzt von 38 auf zwölf.

Die eigentliche Überraschung aber hieß Amir Peretz. Der Vorsitzende der Arbeitspartei holte 19 Mandate und machte seine Partei zur zweitstärksten Kraft. Untersuchungen nach der Wahl zeigten, woher ein erheblicher Teil dieser Stimmen kam: von Likud-Wählern. Eine später in Globes veröffentlichte Wahlbezirksanalyse ergab, dass die Arbeitspartei den Likud in 17 von 25 Entwicklungsstädten schlug. Schätzungen zufolge wanderten rund sieben Mandate aus der Peripherie und aus einkommensschwachen Schichten zu Peretz. Kaum weniger schmerzhaft für Netanyahu: Weitere sechs Likud-Mandate blieben am Wahltag schlicht zu Hause. In Peretz‘ Heimatstadt Sderot gewann die Arbeitspartei, in Dimona fiel der Likud von 44 auf zehn Prozent, in Kirjat Schmona verlor er die Spitzenposition.

Die Lehre, die sich damals einbrannte, ist einfach: Wenn es einem Kandidaten gelingt, die traditionelle Trennung zwischen „rechts“ und „links“, zwischen „wir“ und „die“, aufzubrechen und Milieus zu erreichen, die dem Likud zugerechnet werden, wird er zur ernsten Gefahr.

Warum ausgerechnet Eisenkot

Genau deshalb beunruhigt Gadi Eisenkot den Likud, so die Analyse der N12-Kommentatorin Daphna Liel. Seit 2006 hat sich vieles verändert: Die israelische Gesellschaft ist polarisierter, die Öffentlichkeit ist nach rechts gerückt, die politische Landschaft ist eine andere. Doch Eisenkots Biografie sprengt die gewohnten Schablonen. Sohn einer marokkanischen Familie, aufgewachsen in Eilat, Golani-Kämpfer, der es bis zum Generalstabschef brachte, und Vater, der im Krieg seinen Sohn und zwei Neffen verlor. Als Kandidat tritt er kühl und besonnen auf und begegnet den Traditionsbewussten mit Sympathie und Respekt.

Wie sehr diese Herkunft zum wunden Punkt geworden ist, zeigt ein Detail: Der sicherste Weg, Netanyahu aus der Ruhe zu bringen, besteht darin zu sagen, Eisenkot sei „einer von uns“. Als Rabbiner Yitzhak Yosef sich über Netanyahu ärgerte, erklärte er, Eisenkot könne noch „zur Umkehr finden“. Minister Dudi Amsalem sagte diese Woche, er würde ihn gern im Likud sehen. Ein besseres Koscher-Zertifikat gibt es nicht.

Die neue Taktik: Feuer auf Golan

Im Likud hat man erkannt, dass persönliche Angriffe auf Eisenkot nicht den gewünschten Effekt erzielen. Sie verkleinern den gegnerischen Block nicht, sie vergrößern Eisenkot sogar auf Kosten von Naftali Bennett. Deshalb soll sich das Feuer schrittweise auf Yair Golan verlagern. Obwohl er am 7. Oktober selbst in den Kampf zog und stellvertretender Generalstabschef war, hält man ihn im Likud für leichter angreifbar, und darüber hinaus für ein Mittel, auch Eisenkot Risse zuzufügen.

Erdans größerer Traum

Überrascht hat diese Woche die Ankündigung Gilad Erdans, anzutreten. Für viele Politiker der Mitte gibt es keine echte Alternative, es heißt sein oder nicht sein. Erdan ist in einer anderen Lage: Er ist im Likud stark und hätte auf den Tag nach Netanyahu warten können.

Warum also jetzt? Nach Einschätzung im politischen System zielt er nicht nur auf jene vier oder fünf Mandate, die zwischen den Blöcken schwanken. Sein Ziel ist größer: Adresse für Likud-Wähler zu werden, die Netanyahu satthaben, aber keine Zentrumspartei wählen wollen. Auch darin ist 2006 eine Erinnerung: Damals wanderte erstmals ein erheblicher Teil der Likud-Wählerschaft zu einer neuen Partei. Erdan hofft, diese Alternative zu sein, nur ohne den Schritt in die Mitte, sondern innerhalb des rechten Lagers. Neun oder zehn Mandate, das Zünglein an der Waage, und bei verworrener Blocklage womöglich sogar ein Anspruch auf das Amt des Ministerpräsidenten.

Die Umfragen stützen dieses Szenario bislang nicht. Eine gemeinsame Liste von Erdan, Yuli Edelstein und Ayelet Shaked scheiterte in mehreren Erhebungen an der Sperrklausel, in einer Umfrage der Times of Israel kam ein solches „Likud B“ auf fünf Mandate. Im Likud fürchtet man laut Liel ein Zwischenszenario: Man sieht Erdan als Stellvertreter Avigdor Libermans. Selbst mit vier Mandaten könnte er diese nutzen, um Liberman zu empfehlen und rechts eine neue Kraft aufzubauen, ein neues Zuhause für Likud-Wähler. Auch das erklärt, warum Channel 14 unablässig gegen ihn austeilt, statt in ihm die Chance zu sehen, Netanyahu zu 61 Mandaten zu verhelfen.

Die Lage in Zahlen

Wie eng es zugeht, zeigen die jüngsten Erhebungen. Eine Umfrage von Channel 12 sah Yashar und Likud bei je 23 Mandaten, in einer anderen lag Eisenkot mit 24 zu 23 vorn. Der Oppositionsblock der zionistischen Parteien kommt je nach Umfrage auf 59 bis 60 Sitze, die Koalition auf 50 bis 51, die arabischen Parteien auf zehn. Zur Mehrheit fehlen beiden Lagern die entscheidenden Mandate.

Viele haben Erdan gewarnt, er könne abstürzen. Doch er wirkt entschlossen, den Weg zu Ende zu gehen, in der Hoffnung, dass andere Spieler aufgeben. So oder so zeigen sein Eintritt und Eisenkots Erstarken, vor welcher Herausforderung der Likud nach dem Massaker vom 7. Oktober in diesem Wahljahr steht. Und wie gesagt: Es gab das alles schon einmal.

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