„Wir haben schlicht nicht genug“: Washington plant den größeren Krieg, doch das Arsenal wird knapp
Neun Angriffsnächte in Folge, und hinter den Kulissen wächst in Washington die Sorge, ob die eigene Rüstungskammer das Tempo durchhält. Ein US-Regierungsvertreter, der in die internen Beratungen eingebunden ist, sagte der Washington Post zwei Sätze, die aufhorchen lassen: Die Vereinigten Staaten bereiteten sich auf einen breiteren Krieg vor. Und zugleich: Die Ausweitung werde begrenzt sein, weil die Bestände an Luftabwehrsystemen und weitreichender Präzisionsmunition schwinden und sich kaum noch zusätzliche Kräfte in die Region verlegen lassen. „Wir haben schlicht nicht genug, um die Operationen sicher fortzuführen, und ich glaube nicht, dass das Weiße Haus sich dessen bewusst ist.“
Das Problem ist nicht neu, aber es spitzt sich zu. Schon im ersten Kriegsabschnitt verschossen die USA nach Zahlen des Washingtoner Instituts CSIS binnen zwölf Tagen über 150 THAAD-Abfangraketen; die britische Denkfabrik RUSI warnte im Frühjahr, die Wiederauffüllung solcher Hightech-Bestände dauere Jahre, nicht Monate. Militärexperten ergänzen: Für eine Bodenoperation im Iran, die Präsident Trump vergangene Woche ausdrücklich nicht ausschloss, ist die US-Armee derzeit nicht aufgestellt.
Die Nacht: neunte Welle, brennende Tanker, Tote in Täbris
Die Kämpfe gingen unvermindert weiter. Das Zentralkommando meldete den Abschluss seiner neunten Angriffswelle gegen Kommandozentralen, Luftabwehr, maritime Überwachungsposten und Startanlagen für Raketen und Drohnen. Iranische Medien berichten von einem Toten und mehreren Verletzten in Täbris sowie von Angriffen in Bushehr und Urmia. Der Iran feuerte am Morgen auf Bahrain und Kuwait, in Manama waren Explosionen zu hören. Die Revolutionsgarden meldeten, zwei Öltanker auf der nicht genehmigten Südroute seien „explodiert“ und außer Gefecht. Die britische Seefahrtsbehörde bestätigte den Kern: Ein Schiff wurde vor Omans Küste getroffen, die Besatzung verließ es unversehrt, der brennende Tanker treibt seither steuerlos im Meer.
Trump widmete die Nacht den Gefallenen: Man habe den Iran „sehr hart getroffen, zu Ehren dreier großartiger Patrioten“. Die vorsichtige Zählung hat einen bitteren Grund: Gefunden wurden sterbliche Überreste, die vermutlich zum vermissten Soldaten aus Jordanien gehören; die Identifizierung läuft.
Israels Kalender: Das Zeitfenster heißt September
Interessant ist die israelische Lageeinschätzung, die Ynet referiert. Mit dem Ende der Fußball-Weltmeisterschaft bleibt Trump demnach Zeit bis September, um militärisch zu handeln, unter der Annahme, dass er kurz vor den Zwischenwahlen keinen Krieg führen will. Ohne Abkommen dürfte die Intensität also steigen. Und zur Frage eines israelischen Kriegseintritts fiel in Jerusalem ein Satz von bemerkenswerter Offenheit: Man warte auf einen Anlass, glaube nicht, dass er kommt, „und wenn er nicht kommt, findet sich irgendwann womöglich einer“. Außenminister Marco Rubio beteuert, man bleibe für eine diplomatische Lösung offen. Die Frage ist, wer sie noch sucht.
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