Zweite Nacht in Folge: USA treffen 90 Ziele im Iran, erstmals seit April auch Brücken
Die USA haben in der Nacht zum Donnerstag ihre bislang umfangreichsten Angriffe seit Kriegsende geflogen. Das US-Zentralkommando meldete am Morgen den Abschluss einer weiteren Angriffswelle gegen rund 90 iranische Militärziele, zehn mehr als in der Nacht zuvor. Getroffen wurden Luftabwehrsysteme, Küstenüberwachung, Lager für Raketen und Drohnen, Marinekapazitäten und militärische Logistik entlang der iranischen Küste, darunter ein maritimer Kontrollturm im Hafen von Chabahar. Ziel sei es, dem Iran die Fähigkeit zu nehmen, Handelsschiffe in der Straße von Hormus anzugreifen.
Eine neue Schwelle: Erstmals seit April griffen die USA laut Teheran auch Brücken an. Die Revolutionsgarden meldeten Treffer auf eine Eisenbahnbrücke in der nordöstlichen Provinz Golestan, rund 1.500 Kilometer von der Meerenge entfernt, sowie auf zwei Brücken auf dem Weg nach Maschhad. Ausgerechnet dort soll am Donnerstag Ali Khamenei beigesetzt werden. In der CENTCOM-Erklärung tauchen die Brücken nicht auf. Trump drohte beim NATO-Gipfel offen mit Angriffen auf zivile Infrastruktur wie Kraftwerke und Entsalzungsanlagen.
Teheran feuert zurück, Sirenen am Golf
Der Iran antwortete nach eigenen Angaben mit Angriffen auf vier US-Basen in Kuwait und Bahrain. In beiden Ländern heulten am frühen Morgen die Sirenen, Kuwaits Verteidigungsministerium meldete die Abwehr „feindlicher iranischer Drohnen und Raketen“. Bei den amerikanischen Schlägen der Vornacht waren laut iranischer Armee acht Soldaten von Marine und Luftwaffe getötet worden. Die Armee kündigte Rache an. Mohammad Mokhber, Berater des neuen Obersten Führers Mojtaba Khamenei, erklärte, das „Regime in der Straße von Hormus bleibt für immer iranisch“.
Trump: „Sie haben angerufen, sie wollen einen Deal“
Der US-Präsident bemühte sich um Doppelbotschaften. Auf dem Rückflug aus Ankara sagte er, man habe militärisch längst gewonnen, der Iran wolle verzweifelt ein Abkommen: „Sie haben mich vor Kurzem angerufen. Aber ich weiß nicht, ob sie einen Deal verdienen.“ Man schlage zwanzigmal härter zu als die Gegenseite. Zugleich dämpfte er: Er glaube nicht, dass der Krieg neu beginne, und falls doch, sei er schnell vorbei. Eine Panne leistete sich Trump auch: Zu seinem Drohpost veröffentlichte er ein Foto, das von einem israelischen Angriff aus dem Juni 2025 stammt.
Irans Außenminister Abbas Araghchi konterte die Beleidigungen des Präsidenten, der die Iraner als „krank“, „Abschaum“ und „Krebsgeschwür“ bezeichnet hatte, mit demonstrativer Würde: Die Iraner antworteten auf Grobheit nicht mit Grobheit, sondern mit Taten, „ohne Furcht und mit Heldenmut“.
In Israel bleibt die Lageeinschätzung unverändert. Die IDF hält seit der Waffenruhe hohe Bereitschaft, baut die Zielbank im Iran weiter aus und ist defensiv wie offensiv vorbereitet. Israelische Sender berichten, die USA verlegten ihre Tankflugzeuge zurück in die Region. Vermittler Pakistan mahnte beide Seiten zur Zurückhaltung: Eine Alternative zu Dialog und Diplomatie gebe es nicht.
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