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20 Jun 2026

Israels Start-ups sammeln Milliarden ein — doch der starke Schekel wird zum Problem

Trotz Krieg, Unsicherheit und wiederholter Mobilisierung von Reservisten bleibt Israels Hightech-Sektor für Investoren attraktiv. Nach einem neuen Bericht von Poalim Tech und Dealigence haben israelische Start-ups in den ersten fünf Monaten des Jahres rund 8,6 Milliarden Dollar eingesammelt. Das sind etwa 45 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Auf den ersten Blick ist das ein starkes Signal. Selbst während der jüngsten Kämpfe mit dem Iran floss weiter Kapital nach Israel. Vor allem Cybersecurity- und KI-Unternehmen profitieren von der aktuellen Nachfrage. Der Bereich gilt international weiter als eine der größten Stärken der israelischen Wirtschaft.

Doch hinter der beeindruckenden Zahl steht ein gemischteres Bild. Das Geld verteilt sich auf weniger Unternehmen. Die Zahl der Finanzierungsrunden ging im Jahresvergleich um rund 35 Prozent zurück. Investoren werden wählerischer und setzen stärker auf Firmen mit klarer Marktposition, erfahrenen Gründern und starkem Wachstumspotenzial. Wer schon ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hat, kommt leichter an Kapital.

Zugleich bringt der starke Schekel viele Start-ups unter Druck. Die meisten israelischen Tech-Firmen nehmen ihr Kapital in Dollar auf, zahlen aber einen großen Teil ihrer Kosten, vor allem Gehälter, in Schekel.

Schwächt sich der Dollar gegenüber dem Schekel ab, schrumpft die finanzielle Reichweite der Unternehmen. Geld, das vor einem Jahr für eine bestimmte Zeit gereicht hätte, reicht heute spürbar kürzer.

Das erhöht den Druck auf die Kosten. Einige große israelische Tech-Unternehmen haben Stellen gestrichen. Wix kündigte massive Einschnitte an, auch Rapyd und Amdocs verschlanken ihre Strukturen. Neben dem Wechselkurs spielt der schnelle Wandel durch künstliche Intelligenz eine Rolle. Unternehmen versuchen, effizienter zu werden und Arbeitsabläufe neu aufzubauen.

Junge Start-ups stellen dagegen weiter ein. Laut Bericht wuchs die Beschäftigung in jungen Firmen, die in den vergangenen fünf Jahren mindestens eine Million Dollar eingesammelt haben, um etwa zwei Prozent. Viele dieser neuen Stellen entstehen jedoch nicht in Israel, sondern im Ausland. Von rund 5.000 neuen Mitarbeitern waren etwa 3.700 außerhalb Israels beschäftigt.

Das zeigt die neue Realität der israelischen Hightech-Branche. Das Land bleibt ein Magnet für Kapital, vor allem in Cyber und KI. Zugleich werden Unternehmen vorsichtiger, internationaler und kostensensibler. Der Krieg hat Investoren nicht abgeschreckt, aber er verschärft die Frage, wie belastbar Israels Innovationsmodell langfristig bleibt.

Für die israelische Wirtschaft ist das entscheidend. Hightech machte 2025 nach Angaben der Israel Innovation Authority 18,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und trug rund die Hälfte zum Wirtschaftswachstum bei. Wenn der Sektor weiter Kapital anzieht, bleibt Israel stark. Wenn aber mehr Jobs ins Ausland wandern und nur wenige große Gewinner vom Geld profitieren, verändert sich die Struktur der Branche spürbar.

Der Befund ist deshalb zweischneidig: Israels Start-up-Szene lebt und wächst. Doch das Geld fließt gezielter, die Kosten steigen, und der starke Schekel zwingt viele Gründer zu schwierigen Entscheidungen.

Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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