Zwei Lichter? Chanukka und Weihnachten
von Benjamin
Zwei Lichter in einer dunklen Zeit
In diesem Winter fallen in Israel und den autonomen Gebieten zwei Feste des Lichts in eine Zeit, die von Erschöpfung, Trauer und vorsichtiger Hoffnung geprägt ist. Chanukka und Weihnachten werden wieder gefeiert. Leiser als früher, weniger selbstverständlich, aber bewusster. Nach mehr als zwei Jahren Krieg, Terror und regionaler Eskalation fällt ein anderes Licht auf die Feiertage.
Chanukka erinnert an Widerstand und Standhaftigkeit. An das Festhalten am Glauben gegen eine erdrückende Übermacht. An ein Licht, das länger brennt, als es menschlich erklärbar wäre. Weihnachten erzählt von Hoffnung und von einem Licht, das in die Dunkelheit kommt. Jesus tritt nicht in eine heile Welt ein, sondern in eine zerrissene Realität. Er beginnt keinen bequemen Neubeginn, sondern bringt Licht mitten in Angst, Unsicherheit und Gewalt. In Israel, wo jüdisches und christliches Leben dicht nebeneinander existieren, berühren sich diese beiden Botschaften in diesem Jahr auf besondere Weise.
Chanukka zwischen Alltag und Widerstandskraft
Chanukka wurde in diesem Jahr vielerorts ohne große Worte begangen. Keine lauten Feiern, kein Pathos. Stattdessen kleine Gesten im Alltag. Kerzen auf Fensterbänken, in Gemeinschaftsräumen, in Krankenhäusern, an Orten, an denen der Krieg Spuren hinterlassen hat. Das Licht hatte weniger mit Freude zu tun als mit Standhaftigkeit.
Für viele Israelis ist Chanukka seit dem 7. Oktober zu einem inneren Anker geworden. Nicht als Erinnerung an einen historischen Sieg, sondern als bewusste Entscheidung, sich nicht lähmen zu lassen. Die Kerzen standen für Kontinuität. Für das Festhalten an Identität, selbst dort, wo Sicherheit nicht selbstverständlich ist. Ein leiser Akt gegen Resignation.
Weihnachten mit angezogener Handbremse
Kurz darauf rückte Bethlehem wieder in den Blick. Zum ersten Mal seit Beginn des Gaza-Krieges wurde auf dem Krippenplatz erneut ein Weihnachtsbaum entzündet. Keine Massen, keine ausgelassene Stimmung. Die Feier blieb überschaubar, fast vorsichtig. Und gerade deshalb hatte sie Gewicht.
Der Bürgermeister der Stadt sprach offen darüber, dass es nicht um eine Rückkehr zur alten Normalität gehe. Es gehe darum, Hoffnung sichtbar zu machen. Nach Jahren von Pandemie, wirtschaftlichem Einbruch und Krieg brauche die Bevölkerung Zeichen, die über das bloße Überleben hinausweisen. Hoffnung sei keine Dekoration, sondern eine Voraussetzung, um weiterzumachen.
Doch diese Hoffnung steht unter Vorbehalt. Die christliche Bevölkerung in Bethlehem und in den autonomen Gebieten ist seit Jahren rückläufig und die Gläubigen stehen unter großem Druck. Weihnachten wird von der muslimischen Mehrheit akzeptiert, vor allem wegen seiner wirtschaftlichen Bedeutung. Pilger bringen Einkommen, Tourismus hält Betriebe am Leben. Diese Realität wird offen benannt.
Gleichzeitig bleibt die Lage der christlichen Gemeinschaft selbst angespannt. Viele Familien kämpfen um Perspektiven, um Sicherheit, um die Möglichkeit, überhaupt zu bleiben. Das Fest bringt Licht in die Stadt Bethlehem, aber es löst nicht die Probleme, unter denen Christen vor Ort seit Langem leben.
Zwei Feste, eine Frage
Chanukka und Weihnachten berühren sich in diesem Jahr nicht nur im Kalender. Beide erzählen von Licht unter Druck. Von Glauben, der nicht triumphiert, sondern aushält. In einer Region, die von Gewalt, Erschöpfung und politischer Unsicherheit geprägt ist, sind diese Feste keine Selbstverständlichkeit.
Dass sie dennoch gefeiert werden, wenn auch leiser, ist kein Zeichen von Stärke im klassischen Sinn. Es ist ein Zeichen von Beharrlichkeit. Und vielleicht genau deshalb so kraftvoll.
Gebet, Hoffnung und Verantwortung
In dieser Zeit stehen unsere Partner, Gemeinden und Werke in Israel und den autonomen Gebieten weiterhin unter großer Belastung. Sie arbeiten unter schwierigen Bedingungen. Sie begleiten Menschen, die müde geworden sind. Sie halten fest an ihrem Auftrag, der Druck wächst.
Wir glauben, dass unsere Gebete und der feste Glaube auch diese Berge versetzen können. Es ist ein Festhalten am Licht unseres HERRN: Es strahlt in der Dunkelheit umso heller. Wir haben eine Hoffnung, die nicht ausblendet, sondern in der Not und Bedrängnis trägt. Chanukka und Weihnachten erinnern uns daran, dass Licht nicht laut sein muss, um wirksam zu sein.
Dass Kerzen brennen und Weihnachtslichter leuchten, ist in diesem Jahr keine Selbstverständlichkeit. Es ist ein stilles Zeugnis. Und eine Einladung, nicht aufzugeben. Denn Gottes Licht bleibt. Auch jetzt.
In diesen Tagen werde ich oft gefragt, ob man denn wieder nach Israel reisen kann. Die ehrliche Antwort lautet: Ja, das kann man. Und mehr noch, es ist eine gute Zeit dafür. Ruhiger und in vieler Hinsicht sicherer als in den Jahren zuvor.
Erst gestern stand ich an der Grenze zu Syrien und blickte in die Weite der Pufferzone. Wo früher Armeen, Milizen und Terrorgruppen standen, ist heute Raum. Keine Zange mehr, kein permanentes Bedrohungsszenario wie 2023 und in den Jahren davor. Sie mussten weichen. Israel ist nicht mehr eingekreist. Dafür können wir nur dankbar sein. Gott sei Dank.
Gerade im Angesicht der Kriege, im Angesicht eines weltweit explodierenden Antisemitismus, ist eine Reise nach Israel mehr als Tourismus. Sie ist ein Zeichen. Eine bewusste Ermutigung für die Menschen hier. Für Gemeinden, für Gläubige, für unsere Partner und Werke, die unter großem Druck stehen und dennoch treu weiterarbeiten. Menschen, die Licht und Salz sind, oft im Verborgenen, oft müde, aber nicht resigniert.
Wir brauchen diese Ermutigung. Israel braucht sie. Die Christen hier brauchen sie. Die jüdischen Familien, die nicht vergessen haben, wer an ihrer Seite steht, brauchen sie. Die Präsenz von Geschwistern aus dem Ausland ist kein politisches Statement, sondern ein geistliches.
In diesem Sinne, gesegnete und frohe Weihnachten, einen guten Rutsch aus Israel (Dieser Beitrag ist zuerst bei amzi.org erschienen)
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