Nach der Wahl kommt die Rechnung: Warum Israels Alltag bald teurer werden könnte
Einen Tag vor der Knesset-Wahl zeichnet sich für Israels Verbraucher eine neue Teuerungswelle ab. Benzin könnte schon Anfang November deutlich teurer werden. Auch bei Strom, Wasser und öffentlichen Verkehrsmitteln stehen Preiserhöhungen im Raum. Die Regierung hatte mehrere Preissteigerungen durch Steuersenkungen und eingefrorene Tarife hinausgezögert. Nach der Wahl müssen nun Entscheidungen fallen, die Millionen Haushalte betreffen.
Während Israel am Dienstag eine neue Knesset wählt, beschäftigt viele Familien eine ganz andere Frage: Wie teuer wird das Leben in den kommenden Monaten? Schon jetzt gehören Lebensmittel, Wohnen und Energie zu den größten Belastungen vieler Haushalte. Eine Untersuchung der israelischen Wirtschaftszeitung Calcalist zeigt, dass weitere Preissteigerungen bevorstehen könnten, vor allem bei Benzin, Bus und Bahn, Strom und Wasser. Das Problem: Mehrere staatliche Maßnahmen, die Preiserhöhungen bislang gebremst haben, gelten nur vorübergehend.
Benzin könnte über neun Schekel kosten
Am deutlichsten zeigt sich das an den Tankstellen. Derzeit kostet ein Liter Benzin mit 95 Oktan in Israel 7,77 Schekel. Am 1. Oktober hatte der Preis mit 8,27 Schekel einen Rekordwert erreicht. Finanzminister Bezalel Smotrich senkte daraufhin die Mineralölsteuer ein weiteres Mal. Zusammen mit einer ersten Senkung um einen halben Schekel Ende September beträgt die vorübergehende Entlastung inzwischen einen Schekel pro Liter.
Die Steuersenkung läuft jedoch am 3. November aus, also wenige Tage nach der Wahl, sofern sie nicht verlängert wird. Ohne die Vergünstigung würde der Preis bei sonst unveränderten Bedingungen rechnerisch auf etwa 8,77 Schekel steigen. Weil die Weltmarktpreise für Öl seit Ende September zugleich um rund zehn Prozent gestiegen sind, halten Fachleute nach Angaben der Jerusalem Post sogar mehr als neun Schekel pro Liter für möglich. Selbst bei einer Verlängerung wird zum Monatswechsel ein Anstieg um rund 30 Agorot auf knapp über acht Schekel erwartet.
Auch für den Staat sind die Vergünstigungen teuer. Die Haushaltsabteilung des Finanzministeriums schätzt die Mindereinnahmen für die zwei Monate auf rund 467 Millionen Schekel. Normalerweise machen Steuern mehr als 60 Prozent des Benzinpreises aus. Ob Smotrich die Senkung verlängert, ist offen. Sollte die bisherige Regierung nicht im Amt bleiben, könnte er die Entscheidung auch der nächsten Regierung überlassen.
Auch Bus und Bahn könnten teurer werden
Wer auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen möchte, muss ebenfalls mit höheren Kosten rechnen. Bereits im April 2025 waren die Fahrpreise kräftig angehoben worden, eine einfache Busfahrt verteuerte sich von sechs auf acht Schekel. Bis Juni 2024 hatte sie noch fünf Schekel gekostet. Für 2026 setzte die Regierung weitere geplante Erhöhungen aus. Aufgehoben sind die Kostensteigerungen damit nicht, sondern nur verschoben. Nach den Berechnungen von Calcalist könnten die Fahrpreise im Januar 2027 um mindestens vier Prozent steigen. Derzeit gibt der Staat demnach rund 20 Millionen Schekel im Monat aus, um die Tarifanpassung aufzuschieben. Betroffen wären vor allem Berufspendler und alle, die täglich auf Busse und Bahnen angewiesen sind.
Strom und Wasser unter Kostendruck
Auch beim Strom zeichnet sich eine Veränderung ab. Nach Einschätzung von Energiefachleuten könnte der Tarif um etwa 1,5 bis zwei Prozent steigen. Die endgültige Entscheidung trifft die Strombehörde, die unter anderem Energiepreise, Zinsen, Wechselkurse und die tatsächlichen Erzeugungskosten berücksichtigt. Dämpfend könnte wirken, dass die staatliche Elektrizitätsgesellschaft ihre Beteiligung an einem Glasfaserunternehmen verkauft und damit einen Teil der Mehrkosten ausgleicht.
Schwieriger ist die Lage beim Wasser. Israel gewinnt inzwischen einen großen Teil seines Trinkwassers durch Meerwasserentsalzung. Die Anlagen verbrauchen viel Strom und müssen aufwendig gewartet werden. Hinzu kommt nach Angaben von Calcalist ein verstärktes Algenwachstum, das Filter beschädigt und den Betrieb verteuert hat. Weil zugleich die natürlichen Wasservorräte niedrig sind, könnte im kommenden Jahr noch mehr entsalzt werden müssen. Diskutiert werden Preissteigerungen von drei bis fünf Prozent. Entschieden ist das noch nicht, die zuständigen Behörden prüfen die Tarife voraussichtlich im November und Dezember.
Warum am Ende auch Lebensmittel teurer werden könnten
Die möglichen Erhöhungen beschränken sich nicht auf Tankstellen und Haushaltsrechnungen. Benzin, Strom und Wasser gehören zu den Grundkosten vieler Unternehmen. Muss ein landwirtschaftlicher Betrieb mehr für Bewässerung, Kühlung und Transport bezahlen, steigen seine Produktionskosten. Ähnliches gilt für Bäckereien, Lebensmittelhersteller, Supermärkte und Lieferdienste. Ob und in welchem Umfang diese Kosten an die Kunden weitergegeben werden, hängt von Wettbewerb, Verträgen und der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Dennoch warnen Ökonomen vor einer Kettenreaktion: Schon höhere Transportkosten wirken sich auf zahlreiche Produkte aus, steigen zusätzlich die Energiepreise, wächst der Druck auf die Unternehmen.
Die kommende Regierung steht deshalb vor einer schwierigen Wahl. Sie kann versuchen, weitere Preissteigerungen durch Steuersenkungen und staatliche Eingriffe zu begrenzen, braucht dafür aber zusätzliche Haushaltsmittel oder muss an anderer Stelle sparen. Oder sie lässt die befristeten Vergünstigungen auslaufen und nimmt höhere Verbraucherpreise in Kauf. Fest beschlossen sind die diskutierten Erhöhungen noch nicht. Ihre tatsächliche Höhe hängt von den Energiepreisen, den Regulierungsbehörden und den Entscheidungen der Regierung ab. Für israelische Familien ist nach dem Wahltag deshalb nicht nur interessant, wer künftig das Land regiert, sondern auch, was beim nächsten Tanken, beim Einkauf und auf der Strom- und Wasserrechnung steht.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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