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14 Mar 2026
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Singen, Tanzen, Beten – Wie Glaube uns durch schwere Zeiten trägt

von Alexandra

Wie lange das schon geht, weiß ich nicht. Das Zählen der Tage habe ich schon längst aufgegeben. Ich nehme momentan jeden Tag so, wie er kommt, und die Hoffnung, dass dieser Tag der letzte ist, ist schon vor längerem verschwommen.

Ich frage mich nicht mehr, ob wir diese Nacht wieder aus dem Schlaf geworfen werden. Es ist, als ob der Körper sich darauf schon eingestellt hat, und das Gehirn schläft nicht mehr tief. Es schlummert mit einem Auge offen – immer bereit, von dem schrillenden Geräusch des Handys aufzuschrecken.

 

Nächte im Ausnahmezustand

Die Kinder fragen nicht mehr, wo sie schlafen sollen. Es ist selbstverständlich, dass ich mit den jüngsten drei im Schutzraum schlafen gehe. Benjamin schläft im gemeinsamen Schlafzimmer, das seit jüngster Zeit nicht mehr wirklich gemeinsam genannt werden kann. Wenn unser Sohn Zion (6 Jahre alt) sich so tapfer wie sein Papa fühlt, dann geht er zu ihm ins Bett – aber mit dem Versprechen, dass sein Papa ihn in den Schutzraum trägt, falls er vom Alarm nicht wach werden würde. Da musste ich schmunzeln, denn er ist meistens der Erste im Schutzraum. Aber sein Papa verspricht ihm ganz fest, dass er auf ihn aufpassen wird.

 

Geduscht wird nur tagsüber. Da ist es nicht so kalt, wenn man wegen des Alarms nass aus der Dusche laufen muss. Dann ist es auch nicht so beängstigend. Auch wenn die Kinder auf die Toilette müssen, bitte ich sie, dann auch zu gehen und nicht anzuhalten.

 

Alltag unter Raketenalarm

Einkaufen geht nur zu bestimmten Zeiten – nämlich dann, wenn es die wenigsten Beschüsse gibt. Und auch am besten ohne Kinder. Ich möchte nicht mit den Kindern auf der Straße stehen bleiben und mit ihnen im Gebüsch liegen, mit dem Gebet, dass das Trauma nicht allzu tief sitzen wird.

 

Trauma ist ein so großer Begriff. Es hat so viele Facetten und kann sich zu verschiedenen Zeiten zeigen. Ein Kindheitstrauma muss sich nicht sofort zeigen – es kann über Jahre schlummern. Das will ich nicht. Ich will nicht, dass meine Kinder leiden – nicht jetzt und nicht später.

 

Ich bin kein Mensch, der in schweren Zeiten den Kopf in den Sand steckt. Ich suche Ursachen und Auswege. Wie kann ich meinen Kindern helfen? Gespräche führen, bei Fragen kindgerecht erklären.

 

Schutzraum Israel Norden Blog Familie
Im Schutzraum, manchmal eine Stunde und mehrfach Tag und Nacht. Foto rechts: Eine Rakete aus dem Iran fliegt über unser Haus

Kleine Schritte gegen die Angst

Spiele spielen, rausgehen, die Natur bewusst sehen und darüber sprechen, wie schön unsere Welt ist. Leckeres Essen kochen, öfter Pausen einlegen, auf der Couch kuscheln. Den kommenden Frühling zelebrieren – mit Basteln. Freunde einladen. Und was ich auch bewusst mache, ist Musik hören und tanzen.

 

Ich danke unserem Herrn für alles, was ich habe und was ich bin. Ich singe laut und lasse meinen Frust raus, damit er sich nicht festsetzt und meine Seele schwer macht. Ebenso rufe ich meine Kinder auf, laut zu singen und zu tanzen, wie sie wollen. Das Springen und das unkontrollierte Bewegen setzt ganz viel Energie in Bewegung. Und das laute Beten zu Gott gibt uns wieder Mut, nach vorne zu schauen und noch einen Tag so hinzunehmen, wie er kommt, ohne an ihm kaputtzugehen.

 

Ich habe mich gefragt: Warum ist das so? Warum tut uns das Singen und Tanzen so gut? Warum gibt uns der Akt der Anbetung unseres Herrn so viel Mut und Hoffnung?

 

Tanzen und Singen schon in der Bibel

Schon die Menschen im Alten Testament hatten das Verlangen zu tanzen und Gott zu feiern.

 

Zum Beispiel lesen wir in Exodus 15, als Gott die Israeliten vor den Ägyptern gerettet hat:

 

Exodus 15,20–21

Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, nahm eine Pauke in ihre Hand.
Alle Frauen folgten ihr mit Pauken und Tanz.
Und Mirjam sang ihnen vor:
„Singt dem Herrn, denn hoch erhaben ist er;
Pferd und Reiter hat er ins Meer gestürzt.“

 

Die Menschen haben sich gefreut, und sie waren dankbar. Es war ein Akt der Dankbarkeit.

 

Oder auch in:

 

2 Samuel 6,14

David tanzte mit ganzer Kraft vor dem Herrn,
und er war mit einem leinenen Efod bekleidet.

 

Das zeigt, dass der Tanz auch reine Freude über Gottes Gegenwart ausdrücken kann.

 

Singen und Musik waren ein wichtiger Teil der Anbetung Gottes. Viele Texte im Buch der Psalmen fordern dazu auf, Gott mit Instrumenten, Gesang und Tanz zu loben.

Ein Beispiel ist Psalm 150, wo Menschen aufgefordert werden, Gott mit Tamburin und Tanz zu loben.

 

Psalm 150,4

Lobet ihn mit Tamburin und Reigen,
lobet ihn mit Saitenspiel und Flöte.

 

Die Last bei Gott ablegen

Ich dachte manchmal, ich mache es falsch. Warum tanze ich während angespannten Zeiten?

Bis ich anfing, danach zu recherchieren. Es ist ein absolut natürlicher Ablauf, Anspannung auszulassen. Loszulassen.

Die Fesseln von meinen Gelenken loszureißen und die Ketten, die das Herz so schwer machen, von mir zu schütteln. Es ist eine Ausdrucksweise, Gott das Gewicht, das auf meinen Schultern lastet, abzugeben.

Und es muss nicht gleich Krieg sein. Es kann Trauer sein, Wut, Angst, Neid – ja, sogar unerfüllte Wünsche. Gott kann das alles tragen. Ja, er fragt sogar danach – mehrmals in der Bibel.

Zum Beispiel lesen wir in:

 

 

Psalm 55,23

„Wirf dein Anliegen auf den Herrn; der wird dich versorgen
und wird den Gerechten nicht ewiglich wanken lassen.“

 

Oder:

 

Matthäus 11,28

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid;
ich will euch erquicken.“

Und:

 

Matthäus 11,29

„Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“

 

Ihr Lieben, wie glücklich können wir uns schätzen: Wir müssen nicht allein gehen. Wir haben Gott, der mit uns geht und uns anbietet, unsere schwere Tasche zu tragen.

 

Ist das nicht ein Grund genug zu tanzen und zu singen?

 

Vielleicht ist genau das der Grund, warum Tanzen, Singen und Beten so tief in uns wirken. Weil unsere Seele weiß, dass sie die Last nicht allein tragen muss.

 

Wenn wir singen, wenn wir tanzen, wenn wir laut zu Gott beten, dann erinnern wir uns daran, dass Hoffnung stärker sein kann als Angst. Dass Freude auch mitten in schweren Zeiten einen Platz haben darf.

 

Vielleicht haben die Menschen im Alten Testament genau deshalb getanzt. Nicht weil alles leicht war – sondern weil sie wussten, wer ihre Last trägt.

Und vielleicht dürfen auch wir uns immer wieder daran erinnern.

 

Darum lade ich euch ein: Singt laut. Tanzt frei. Betet ehrlich.
Nicht, weil das Leben immer leicht ist – sondern weil Gott mitten darin mit uns geht.

 

Eure Alexandra

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