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25 Feb 2026
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Leben unter ständiger Anspannung: Die Realität einer Mutter in Israel

von Alexandra

Es ist früh am Morgen, die Sonne geht auf, und mein Tag beginnt wie immer mit dem Frühstück für die Kinder.

Doch der Unterschied zu früheren Zeiten ist, dass ich mich nicht einfach auf den Ablauf des Tages konzentrieren kann. In meinem Kopf schwirren Gedanken, die mich nicht loslassen: Was, wenn es heute passiert? Was, wenn der Krieg plötzlich ausbricht, wie viele befürchten? Jede Nachricht aus der Region, jeder diplomatische Schritt, jedes Zucken der militärischen Spannung lässt mich innehalten – und aufhorchen.

 

Als Mutter in Israel lebe ich in einer ständigen Erwartungshaltung. Wir beobachten die Nachrichten, aber mehr als das, wir hören auf jedes Geräusch, jedes Flugzeug am Himmel, jedes Geräusch in der Nacht. Manchmal ist es ein leises Flimmern von Alarmbereitschaft, das sich durch den Alltag zieht, manchmal ist es ein lauter, drängender Gedanke, der mich nachts aufwachen lässt. Wir leben in einem Land, das nie wirklich zur Ruhe kommt.

 

Es ist schwer, zu beschreiben, was es bedeutet, unter dieser Art von Anspannung zu leben. Die ständige Ungewissheit über die Zukunft, lässt einen nie wirklich los. Der Druck, der mit dem Warten auf einen möglichen Krieg kommt, ist wie ein unsichtbares Gewicht auf den Schultern.

 

Die Kinder fragen oft, ob es bald wieder Sirenen gibt, ob sie in den Schutzraum müssen. Manchmal frage ich mich, wie lange ich ihnen erklären kann, dass alles „okay“ ist, dass es nur ein „Schutzmechanismus“ ist. In den letzten Wochen habe ich gemerkt, wie sehr die ständige Wachsamkeit auch meine Kinder verändert hat. Sie sind mehr aufgeregt, nervöser – und ich fühle mich als Mutter oft hilflos. Ich kann ihnen nicht versprechen, dass morgen alles besser wird, und das tut weh.

Alexandra Funk mit den Hunden auf dem Feld
Auftanken geschieht aktiv

Doch es gibt auch Momente, in denen ich versuche, die Anspannung zu verdrängen – wenn wir gemeinsam Abendessen, lachen, über den Tag sprechen oder einfach einen Film schauen. Diese kleinen Momente des „Normalen“ sind es, die uns als Familie zusammenhalten, die uns in der Stille dieser angespannten Zeit etwas Frieden geben. Und genau diese Momente versuchen wir, als Eltern so oft wie möglich zu kreieren.

 

Womit kann man sich den Alltag erleichtern?

Es gibt Tage, an denen sich die Gedanken im Kreis drehen und die ständige Sorge mich fast erdrückt. Dann versuche ich, kleine Schritte zu unternehmen, um mich und meine Familie zu entlasten. Psychologen sagen, dass es gerade in solchen Zeiten entscheidend ist, sich Routinen zu schaffen, auch wenn das Leben außerhalb unseres Zuhauses chaotisch erscheint. Ein strukturierter Alltag – der Plan für den Tag, feste Essenszeiten, gemeinsame Aktivitäten – hilft uns, die Kontrolle über das zu behalten, was wir beeinflussen können.

Ich habe gelernt, mir bewusst Pausen zu gönnen, auch wenn es nur für wenige Minuten ist. Ein kurzes Gespräch mit einer Freundin, ein paar tiefe Atemzüge, wenn die Kinder in der Schule sind – all das hilft, den Kopf freizubekommen. Wenn ich merke, dass ich zu viel nachdenke, lenke ich mich mit etwas ab: Ich gehe spazieren, schaue mir einen Film an oder lese ein Buch. Manchmal hilft es, sich bewusst von den Sorgen zu distanzieren, auch wenn nur für eine kurze Zeit.

Und dann gibt es natürlich noch die Gespräche mit meinem Partner. Es ist nicht immer einfach, aber wir versuchen, uns gegenseitig zu stützen, uns daran zu erinnern, dass wir gemeinsam diese Belastung tragen. Psychologen empfehlen, dass Paare in stressigen Zeiten mehr miteinander sprechen, dass sie sich gegenseitig erinnern, dass sie nicht allein sind.

 

Psychologische Perspektiven: Leben in ständiger Anspannung

Die psychische Belastung einer solchen Lebensweise ist nicht zu unterschätzen. Psychologen weisen darauf hin, dass der permanente Zustand der Anspannung zu Erschöpfung führen kann. Es ist ein Zustand, der nicht nur die Psyche belastet, sondern auch den Körper. Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, ständige Nervosität – all das sind Symptome eines chronischen Stresses, den viele hier erleben.

Langfristig gesehen kann diese Anspannung zu ernsthaften psychischen Problemen führen. Ein Experte für Trauma und Stressbewältigung erklärt, dass chronische Unsicherheit das Gefühl der Kontrolle über das eigene Leben zunichte machen kann. Und ohne Kontrolle wächst das Gefühl der Hilflosigkeit. Das ist besonders gefährlich, weil es dazu führen kann, dass Menschen sich innerlich zurückziehen, ihre sozialen Beziehungen vernachlässigen und in eine Art „Überlebensmodus“ verfallen.

Es gibt jedoch auch positive Aspekte, die Psychologen herausstellen: Die Fähigkeit, mit dieser Unsicherheit zu leben, stärkt unsere Resilienz. Indem wir lernen, in schwierigen Zeiten zu überleben und uns anzupassen, bauen wir innere Stärke auf. Wichtig ist, dass wir uns immer wieder bewusst machen, was wir tun können, um uns emotional zu stabilisieren. Das kann durch einfache Rituale geschehen – sei es Atemübungen, Bewegung oder das tägliche Gespräch mit einer vertrauten Person.

Leben in ständiger Anspannung ist eine Herausforderung. Besonders als Mutter in Israel, wo der Alltag von Unsicherheit geprägt ist, ist es oft schwer, den Fokus zu behalten. Die Sorge um die Sicherheit der Familie, die ständigen Nachrichten über militärische Spannungen und die Ungewissheit über das, was kommen könnte, drücken schwer auf uns. Doch trotz der ständigen Belastung gibt es Wege, mit dieser Situation umzugehen.

Es sind die kleinen Momente der Ruhe, die Struktur im Alltag und der Austausch mit anderen, die uns helfen, nicht in der Anspannung zu ersticken. Es ist der Wille, durchzuhalten und für die Familie stark zu bleiben, der uns vorwärtstreibt – auch wenn die Zukunft ungewiss bleibt.

 

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